1. Umfeld
Die Entstehung des Ordens des Hl. Johannes im 11. Jahrhundert war kein isoliertes Ereignis, sondern das Resultat tiefgreifender historischer Entwicklungen. Seit der Wiederentdeckung des Heiligen Grabes durch Helena6 , die Mutter Kaiser Konstantins, und der anschließenden Errichtung der Grabeskirche7 übte Jerusalem eine ungebrochene Anziehungskraft auf das christliche Abendland aus.
Mit der Konstantinischen Wende wandelte sich das Christentum von einer verfolgten Minderheit zur offiziellen Religion des Römischen Reiches.
Helenas archäologische Bestrebungen im Heiligen Land zielten darauf ab, die Stätten des Wirkens, Leidens und der Auferstehung Jesu Christi physisch fassbar zu machen. Die Errichtung der Grabeskirche ermöglichte es Generationen von Gläubigen, diese Orte nicht nur aufzusuchen, sondern dort in der Liturgie und der Eucharistie das Gedächtnis der Erlösung zu feiern.
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Diese tausenden Kreuze9, die in die Steinwände des Treppenaufgangs zur St.-Helena-Kapelle in der Jerusalemer Grabeskirche geritzt wurden, sind mittelalterliche Zeugnisse von Pilgern. Lange Zeit hielt man sie für bloße „Graffiti“, die Kreuzfahrer eigenhändig hinterlassen hätten. Neuere Untersuchungen mit 3D-Scantechnik deuten jedoch auf einen organsierteren Ursprung hin:
Der Ort ist besonders |
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Pilgerwesen10 und Bußpraxis
Eine neue Dynamik erhielt das Pilgerwesen unter Papst Leo IX. (1049–1054), der im Jahr 1053 den Pilgern zum Heiligen Grab den sogenannten „Kreuzes-Ablass“ gewährte. In der damaligen Disziplin der Kirche war die sakramentale Buße oft mit langjährigen, harten Übungen verbunden. Die Wallfahrt nach Jerusalem galt als eine solche außerordentliche Bußleistung, die zur Verkürzung oder zum Erlass der zeitlichen Sündenstrafen führen konnte. Für schwere Verfehlungen wurde die Pilgerreise oft als direkte Sühneleistung auferlegt.
Bild11
Angesichts der enormen Strapazen und Gefahren einer wochenlangen Reise zu Pferd oder zu Fuß durch fremdes Territorium erreichten die meisten Pilger Jerusalem in einem Zustand physischer Erschöpfung oder Krankheit. Dies schuf die dringende Notwendigkeit für Beherbergungs- und Pflegeeinrichtungen nach dem Vorbild der antiken Xenodochien. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Grabeskirche bestand das Benediktinerkloster St. Maria Latina, das – der Regel des heiligen Benedikt entsprechend – ein Gästehaus unterhielt. Aufgrund der prekären Lage der Pilger entwickelte sich dieses Hospiz zunehmend zu einem Hospital. Die Leitung dieser Einrichtung oblag einem Mann namens Gerhard. Es ist historisch plausibel, in ihm einen Mönch der Abtei zu sehen, der von seinem Abt mit der Sorge für die Gäste betraut worden war.
Angesichts der Gründung der Abtei Cava de’ Tirreni12 im Jahr 1011 und ihrer Nähe zu Scala liegt die Vermutung nahe, dass der Selige Gerhard dort in den Benediktinerorden eintrat. Dies würde erklären, wie er im Zuge der amalfitanischen Expedition nach 1032 nach Jerusalem gelangte, als die Abtei St. Maria Latina neu besiedelt wurde.
Gründung der Abtei: Die Abtei Cava de’ Tirreni wurde 1011 von Alferius (einem Adligen aus Salerno) gegründet und erhielt 1025 ihre offizielle Gründungsurkunde durch die Fürsten von Salerno13. Im Jahr 1032 war sie bereits ein blühendes benediktinisches Zentrum in unmittelbarer Nähe zum Herzogtum Amalfi.
Amalfitanischer Einfluss: Dass Kaufleute aus Amalfi (darunter die Familie Mauro) das Kloster St. Maria Latina in Jerusalem finanzierten, ist historisch gesichert. Da Cava de' Tirreni das bedeutendste Benediktinerkloster in der Region Amalfi/Salerno war, liegt die personelle Besetzung der Jerusalemer Filiale durch Mönche aus Cava nahe.
Herkunft Gerhards: Obwohl seine genaue Herkunft (Scala oder Martigues) debattiert wird, stützen die engen Handels- und religiösen Bande zwischen Amalfi und Jerusalem die italienische These. Ein Eintritt in Cava de' Tirreni als Novize wäre für einen jungen Mann aus Scala der logische Karriereschritt gewesen.
0BExkurs: Scala & Amalfi14Es gibt zwei widersprüchliche Überlieferungen über die Herkunft des Seligen Gerhard. Die eine geht davon aus, dass er von der Insel Martigues bei Marseille in Südfrankreich stammt und gibt ihm den Nachnamen „Tenque“ oder „Tonque“. Die andere Theorie nennt Scala neben Amalfi als seinen Wohnort und gibt ihm den Nachnamen „del Sasso“. Dem wollte ich nachgehen und besuchte mit einem italienischen Freund Scala im Jahr 1997. Die heutigen Einwohner des kleinen Dorfes Scala wussten damals wenig über den berühmtesten ihrer Söhne
Allerdings haben sie eine örtliche kirchliche Jugendgruppe nach ihm benannt: Circolo "Gerardo Sasso". Es dauerte lange, nachdem wir drei widersprüchlichen Anweisungen gefolgt waren, bis wir dort ankamen, wo der Selige Gerhard aufgewachsen sein soll.
Von dem, was den zerstörerischen Kräften der Geschichte über mehr als 900 Jahre hätte standhalten können, ist nur noch sehr wenig übrig.
Historisches Bild der „Villa Saxo“15
Woher kommt das? 16 Bild17
Vom Emblem zum Ordenszeichen: Bild18
Etwas weit hergeholt scheint mir die Symbolik zu sein: Die achtspitzige Form des Amalfi-Kreuzes erinnere optisch an eine Windrose. In der maritimen Tradition Amalfis wurden die acht Spitzen des Kreuzes oft mit den acht Hauptwindrichtungen assoziiert, die für die Navigation mit dem Kompass im Mittelmeer entscheidend waren. Bild19 |
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Der Einfluss
der Kreuzzüge20
Obwohl der Orden des Hl. Johannes seine Wurzeln in dieser benediktinischen Hospitalität hat, wurde seine weitere Entwicklung maßgeblich durch die Kreuzzugsbewegung transformiert. Die Kreuzzüge waren jedoch nicht der Anlass der Gründung, sondern der Katalysator für die strukturelle Evolution des Ordens.
Die politische Lage im Heiligen Land hatte sich seit der Eroberung Jerusalems durch die Sarazenen (637/638) stetig verschlechtert. Während unter den Fatimiden ab 969 Unterdrückung und fiskalische Belastungen zunahmen, führte der Vorstoß der Seldschuken ab 1071 zu massiven Zerstörungen der christlichen Infrastruktur in Jerusalem21.
17FBBB Bild il22
Als Reaktion auf diese Bedrängnis rief Papst Urban II. am 27. November 1095 in Clermont zum Kreuzzug23 auf, um die heiligen Stätten aus der Herrschaft der „Ungläubigen“ zu befreien:
Aus der Not heraus bin ich, Urban, mit Gottes Erlaubnis, Oberbischof und Prälat über die ganze Welt, als Gesandter hierhergekommen, um euch, den Dienern Gottes, eine göttliche Ermahnung zu überbringen. Ich hoffte, euch so treu und eifrig im Dienst Gottes zu finden, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sollte aber an euch eine Missbildung oder Verdorbenheit sein, die Gottes Gesetz widerspricht, werde ich mit göttlicher Hilfe mein Bestes tun, sie zu beseitigen. Denn Gott hat euch als Verwalter über seine Familie eingesetzt, um ihr zu dienen. Glücklich werdet ihr sein, wenn er euch in eurer Verwaltung treu findet. Ihr seid Hirten genannt; achtet darauf, dass ihr nicht wie Mietlinge handelt. Seid vielmehr wahre Hirten, mit euren Hirtenstäben stets in der Hand. Schlaft nicht ein, sondern hütet die Herde, die euch anvertraut ist, von allen Seiten. euch. Denn wenn durch eure Unachtsamkeit oder Nachlässigkeit ein Wolf eines eurer Schafe wegträgt, werdet ihr gewiss den Lohn verlieren, der bei Gott für euch bereitliegt. Und nachdem ihr mit Reue für eure Fehler bitter gegeißelt worden seid, werdet ihr in der Hölle, der Wohnstätte des Todes, grausam niedergestreckt werden. Denn gemäß dem Evangelium seid ihr das Salz der Erde. (Mt 5,13) Doch wenn ihr eure Pflicht nicht erfüllt, wie, so könnte man fragen, kann sie gesalzen werden? O wie dringend ist das Salzen nötig! Ihr müsst dieses törichte Volk, das so sehr den Freuden dieser Welt ergeben ist, mit dem Salz der Weisheit zurechtweisen, damit der Herr, wenn er zu ihnen sprechen will, sie nicht durch ihre Sünden verwest, ungesalzen und stinkend vorfindet. Denn wenn er Würmer, das heißt Sünden, in ihnen findet, weil ihr eure Pflicht vernachlässigt habt, wird er sie als wertlos in den Abgrund der Unreinheit werfen lassen. Und weil ihr ihm seinen großen Verlust nicht wiedergutmachen könnt, Er wird euch gewiss verdammen und aus seiner liebenden Gegenwart vertreiben. Wer dieses Salz aber ausstreut, soll klug, umsichtig, bescheiden, gelehrt, friedfertig, wachsam, fromm, gerecht, redlich und rein sein. Denn wie können Unwissende andere lehren? Wie können Zügellose andere zur Bescheidenheit erziehen? Und wie können Unreine andere rein machen? Wer den Frieden hasst, wie kann er andere friedfertig machen? Oder wer seine Hände mit Gemeinheit beschmutzt hat, wie kann er die Unreinheiten eines anderen reinwaschen? Wir lesen auch: „Wenn Blinde andere Blinde führen, fallen beide in die Grube.“ (Mt 15,14) ; Bessert euch aber zuerst selbst, damit ihr, frei von Tadel, diejenigen zurechtweisen könnt, die euch untertan sind. Wenn ihr Freunde Gottes sein wollt, tut gern das, wovon ihr wisst, dass es ihm gefällt. Besonders sollt ihr alle Angelegenheiten der Kirche nach dem Gesetz der Kirche regeln. Und hütet euch davor, dass Simonie unter euch Fuß fasst, damit nicht sowohl die Käufer als auch die Verkäufer [kirchlicher Ämter] mit den Geißeln des Herrn durch enge Gassen geschlagen und an einen Ort der Vernichtung und Verwirrung getrieben werden. Haltet die Kirche und den Klerus in allen seinen Stufen völlig frei von der weltlichen Macht. Achtet darauf, dass der Zehnte, der Gott gehört, gewissenhaft von allen Erträgen des Landes bezahlt wird; er soll nicht verkauft oder einbehalten werden. Wer einen Bischof raubt, der soll wie ein Gesetzloser behandelt werden. Wer Mönche, Geistliche, Nonnen oder deren Diener, Pilger oder Kaufleute raubt oder beraubt, der soll mit dem Anathema belegt werden. Räuber und Brandstifter und alle ihre Komplizen sollen aus der Kirche ausgeschlossen und mit dem Anathema belegt werden. Wenn jemand, der einen Teil seines Besitzes nicht als Almosen gibt, mit der Höllenverdammnis bestraft wird, wie soll dann der bestraft werden, der einen anderen seiner Besitztümer beraubt? Denn so erging es dem reichen Mann im Evangelium (Lk 16,19): Er wurde nicht bestraft, weil er fremdes Gut gestohlen hatte, sondern weil er mit den Dingen, die ihm gehörten, nicht gut umgegangen war. „Ihr seht seit langem die große Unordnung in der Welt, die durch diese Verbrechen verursacht wird. In einigen eurer Provinzen ist es so schlimm, wie man mir sagt, und eure Rechtspflege ist so schwach, dass man kaum bei Tag oder Nacht auf der Straße gehen kann, ohne von Räubern überfallen zu werden; und ob zu Hause oder im Ausland besteht die Gefahr, durch Gewalt oder Betrug ausgeraubt zu werden. Deshalb ist es notwendig, den Waffenstillstand, wie er gemeinhin genannt wird, wiederherzustellen, der vor langer Zeit von unseren heiligen Vätern verkündet wurde. Ich ermahne und fordere euch alle auf, euch nach Kräften darum zu bemühen, dass der Waffenstillstand in eurer Diözese eingehalten wird. Und wer sich durch Habgier oder Arroganz dazu verleiten lässt, diesen Waffenstillstand zu brechen, der soll durch die Autorität Gottes und mit der Zustimmung dieses Konzils mit dem Bann belegt werden.“ Nachdem diese und andere Angelegenheiten erledigt waren, dankten alle Anwesenden, Geistliche und Volk, Gott und stimmten dem Vorschlag des Papstes zu. Sie alle versprachen treu, die Gebote zu befolgen. Dann sagte der Papst, dass in einem anderen Teil der Welt die Christenheit unter einer noch schlimmeren Lage leide, als der eben erwähnte. Er fuhr fort: „Obwohl ihr, ihr Söhne Gottes, fester denn je versprochen habt, den Frieden unter euch zu wahren und die Rechte der Kirche zu schützen, bleibt euch noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Frisch gestärkt durch die göttliche Zurechtweisung müsst ihr die Kraft eurer Gerechtigkeit einer anderen Angelegenheit widmen, die euch ebenso betrifft wie Gott. Denn eure Brüder, die im Osten leben, brauchen dringend eure Hilfe, und ihr müsst ihnen eilends die Hilfe zukommen lassen, die ihnen oft versprochen wurde. Denn wie die meisten von euch gehört haben, haben die Türken und Araber sie angegriffen und das Gebiet Rumäniens [des Byzantinischen Reiches] bis an die Küste des Mittelmeers und des Hellespontes, der als Georgsarm bezeichnet wird, erobert. Sie haben immer größere Teile des Landes dieser Christen besetzt und sie in sieben Schlachten besiegt. Sie haben viele getötet und gefangen genommen, die Kirchen zerstört und das Reich verwüstet. Wenn ihr ihnen erlaubt, noch eine Weile mit Unreinheit so weiterzumachen, werden die Gläubigen Gottes noch viel stärker von ihnen angegriffen werden. [Bild25]
„Alle, die unterwegs sterben, sei es zu Lande oder zu Wasser, oder im Kampf gegen die Heiden, sollen sofortige Vergebung ihrer Sünden erlangen. Dies gewähre ich ihnen durch die Kraft Gottes, mit der ich ausgestattet bin. O welch eine Schande, wenn solch ein verachtetes und niederträchtiges Volk, das Dämonen anbetet, ein Volk besiegt, das den Glauben an den allmächtigen Gott hat und durch den Namen Christi verherrlicht wird! Mit welchen Vorwürfen wird der Herr uns überhäufen, wenn ihr denen nicht helft, die sich mit uns zum Christentum bekennen!“ Diejenigen, die es gewohnt waren, ungerechterweise Privatkrieg gegen die Gläubigen zu führen, sollen nun gegen die Ungläubigen ziehen und diesen Krieg, der schon vor langer Zeit hätte beginnen sollen, siegreich beenden. Diejenigen, die lange Zeit Räuber waren, sollen nun zu Rittern werden. Diejenigen, die gegen ihre Brüder und Verwandten gekämpft haben, sollen nun auf angemessene Weise gegen die Barbaren kämpfen. Diejenigen, die als Söldner für geringen Lohn gedient haben, sollen nun den ewigen Lohn erhalten. Diejenigen, die sich an Körper und Seele verausgabt haben, sollen nun für doppelte Ehre arbeiten. Siehe! Auf dieser Seite werden die Bekümmerten und Armen sein, auf jener die Reichen; auf dieser Seite die Feinde des Herrn, auf jener seine Freunde. Diejenigen, die gehen, sollen die Reise nicht aufschieben, sondern ihr Land pachten und Geld für ihre Ausgaben sammeln; und sobald der Winter vorbei ist und der Frühling kommt, sollen sie sich eifrig auf den Weg machen, mit Gott als ihrem Führer.“26 |
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Später wurde der heilige Bernhard von Clairvaux
einer der wichtigsten Förderer der Kreuzzugsidee:
ÜBER DIE NEUE RITTERSCHAFT
Der Ritter Christi, sage ich, kann mit Zuversicht zuschlagen und noch zuversichtlicher sterben, denn er dient Christus, wenn er zuschlägt, und sich selbst, wenn er fällt. Auch trägt er das Schwert nicht umsonst, denn er ist Gottes Diener, zur Bestrafung der Übeltäter und zum Lob der Guten. Tötet er einen Übeltäter, ist er kein Menschenmörder, sondern, wenn ich es so sagen darf, ein Töter des Bösen. Er ist offenbar der Rächer Christi gegenüber den Übeltätern und gilt zu Recht als Verteidiger der Christen. Sollte er selbst getötet werden, wissen wir, dass er nicht umgekommen, sondern wohlbehalten ins Ziel gekommen ist. Wenn er tötet, geschieht dies zum Nutzen Christi, und wenn er stirbt, geschieht dies zu seinem eigenen Vorteil. Der Christ rühmt sich des Todes des Heiden, weil Christus verherrlicht wird; während der Tod des Christen dem König Anlass gibt, seine Großzügigkeit bei der Belohnung seines Ritters zu zeigen. In einem Fall wird sich der Gerechte freuen, wenn er sieht, dass Gerechtigkeit geschieht, und im anderen wird der Mensch sagen: Wahrlich, es gibt eine Belohnung für die Gerechten; wahrlich, es ist Gott, der die Erde richtet. Ich will damit nicht sagen, dass die Heiden abgeschlachtet werden sollen, wenn es einen anderen Weg gibt, sie davon abzuhalten, die Gläubigen zu belästigen und zu verfolgen, sondern nur, dass es jetzt besser erscheint, sie zu vernichten, als dass die Rute der Sünder über das Los der Gerechten erhoben wird und die Gerechten vielleicht ihre Hände zur Ungerechtigkeit ausstrecken. 5. Was dann? Wenn es einem Christen niemals erlaubt ist, mit dem Schwert zuzuschlagen, warum hat der Vorläufer des Erlösers dann den Soldaten geboten, sich mit ihrem Sold zufrieden zu geben, und ihnen nicht vielmehr verboten, diesem Beruf zu folgen? Aber wenn es allen, die von Gott dazu bestimmt sind, erlaubt ist – was tatsächlich der Fall ist, sofern sie keinen höheren Beruf ergriffen haben –, wem, frage ich, darf es dann eher erlaubt sein als denen, deren Hände und Herzen Zion, die Stadt unserer Stärke, für uns halten? So kann, wenn die Übertreter des göttlichen Gesetzes vertrieben sind, das gerechte Volk, das die Wahrheit bewahrt, in Sicherheit einziehen. Gewiss ist es angebracht, dass die kriegsliebenden Völker zerstreut, diejenigen, die uns beunruhigen, ausgerottet und alle Übeltäter aus der Stadt des Herrn vertrieben werden. Sie sind damit beschäftigt, die unermesslichen Reichtümer, die die Christen in Jerusalem angehäuft haben, wegzunehmen, die heiligen Dinge zu entweihen und das Heiligtum Gottes als ihr Erbe in Besitz zu nehmen. Mögen beide Schwerter der Gläubigen auf den Hals des Feindes fallen, um alles Hohe zu zerstören, das sich gegen die Erkenntnis Gottes, die der christliche Glaube ist, erhebt, damit die Heiden nicht sagen: „Wo ist ihr Gott?“ 6. Sobald sie vertrieben sind, wird er zu seinem Erbe und zu seinem Haus zurückkehren, das seinen Zorn im Evangelium erregte: „Siehe“, sagte er, „dein Haus wird euch verwüstet gelassen.“ Er hatte sich durch den Propheten beklagt: „Ich habe mein Haus verlassen, ich habe mein Erbe aufgegeben“, und er wird auch die andere Prophezeiung erfüllen: „Der Herr hat sein Volk erlöst und befreit. Sie werden kommen und auf dem Berg Zion jubeln und sich an den Gaben des Herrn freuen.“ Freue dich, Jerusalem, und erkenne nun die Zeit, in der du heimgesucht wirst! Freut euch und lobt gemeinsam, ihr Trümmer Jerusalems, denn der Herr hat sein Volk getröstet. Er hat Jerusalem erlöst. Der Herr hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker entblößt. O Jungfrau Israel, du warst gefallen, und niemand richtete dich auf. Steh nun auf und schüttle den Staub ab, o Jungfrau, gefangene Tochter Zion. Steh auf, sage ich, und stehe hoch. Sieh das Glück, das dir von deinem Gott zuteilwird. Du wirst nicht länger die Verlassene genannt werden, noch dein Land mehr eine Wüste; denn der Herr hat Gefallen an dir, und dein Land wird bevölkert werden. Erhebe deine Augen, schau dich um und sieh! Sie alle sind versammelt und kommen zu dir. Hier ist die Hilfe, die dir der Heilige gesandt hat! Durch sie erfüllt sich bereits die alte Verheißung: „Ich mache dich zum Stolz der Ewigkeit, zur Freude von Generation zu Generation. Du sollst die Milch der Völker saugen und an der Brust ihrer Herrschaft genährt werden.“ Und weiter: „Wie eine Mutter ihre Kinder tröstet, so will ich dich trösten, und in Jerusalem sollst du getröstet werden.“ Siehst du nicht, wie oft diese alten Zeugen den neuen Ritterstand vorwegnahmen? Wahrlich, wie wir gehört haben, haben wir es nun in der Stadt des Herrn der Heerscharen gesehen. Natürlich dürfen wir diese wörtlichen Erfüllungen nicht für die spirituelle Bedeutung solcher Texte blind machen, denn wir müssen trotz zeitlicher Verwirklichungen prophetischer Äußerungen in ewiger Hoffnung leben. Sonst würde das Greifbare das Ungreifbare verdrängen, materielle Armut würde den spirituellen Reichtum bedrohen und gegenwärtiger Besitz würde die zukünftige Erfüllung verhindern. Darüber hinaus überschattet die zeitliche Herrlichkeit der irdischen Stadt nicht die Herrlichkeit ihres himmlischen Gegenstücks, sondern bereitete sie darauf vor, zumindest, solange wir uns daran erinnern, dass das eine das Abbild des anderen ist und dass das Himmlische unserer Mutter ist.28 |
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Die geistige Rechtfertigung: Die Idee des gerechten Krieges
Obschon das moderne Rechts- und Moralverständnis kriegerische Auseinandersetzungen heute grundlegend anders bewertet, herrschte im Hochmittelalter die Überzeugung vor, dass ein „Heiliger Krieg“ gegen jene, die die heiligen Stätten bedrohten oder den christlichen Glauben unterdrückten, moralisch gerechtfertigt sei.
Diese Auffassung wurzelte in der antiken und frühmittelalterlichen Theologie. Bereits der heilige Augustinus von Hippo29 entwickelte in seiner Auseinandersetzung mit den Donatisten das Konzept des bellum iustum (gerechter Krieg).

Der heilige Thomas von Aquin30
systematisierte diese Lehre später und definierte die strengen Kriterien einer ethischen Rechtfertigung:
iusta causa (gerechter Grund),
recta intentio (rechte Absicht),
legitima potestas bzw. auctoritas principis
(legitime staatliche oder kirchliche Autorität),debitus modus (angemessene Art der Kriegführung) sowie das Prinzip der Güterabwägung.
Die abendländische Ritterschaft sah in der Befreiung des Heiligen Grabes und der Wiederherstellung der Ehre Gottes eine sakrale Pflicht. Das Rittertum des 11. Jahrhunderts bot hierfür die idealen Voraussetzungen:
Die Philosophie der Ritterlichkeit31 verschmolz den Dienst für die Kirche mit der persönlichen Loyalität gegenüber dem Lehnsherrn und dem Schutz der Schwachen (verkörpert im Ideal der Frauenehre). In diesem Selbstverständnis wurde der bewaffnete Einsatz im Heiligen Land als Akt des Glaubens und zu einer Form der Christusnachfolge im Dienst an der Kirche interpretiert.




Das Haus mit dem Namen „Villa Saxo“, das vermutlich der Stammsitz der Familie „del Sasso“ war.
Tatsächlich wies uns die Familie, die in der "Villa Saxo" wohnte, darauf hin, dass die Säulen im Keller des Gebäudes der einzige Überrest der einstigen Pracht seien.
In der St.-Peter-Kirche des Dorfes befindet sich eine Steinskulptur, die 1358 von Paolo de Saxo gestiftet wurde und wahrscheinlich den seligen Gérard in der Art des heiligen Michael darstellt.
Ein weiterer Hinweis ist die Tatsache, dass in der ehemaligen Kathedrale von Amalfi (Basilica del Crocifisso), die heute als Museum (Museo del Duomo) genutzt wird, ein Fresko gefunden wurde, von dem man ebenfalls annimmt, dass es den Seligen Gerhard als jungen Ritter zeige. Wir wissen mit Sicherheit, dass der Orden zu Lebzeiten des Seligen Gerhard ausschließlich ein Hospitalorden ohne militärische Aufgaben war. Das Fresko zeigt den Seligen Gerhard aber mit einem Schwert. Möglicherweise wurde ihm dieses Attribut posthum verliehen, da sich sein Orden später ja zu einem Ritterorden entwickelte.
Was die Geschichte des Amalfi- bzw. Malteserkreuzes betrifft, ist es interessant zu wissen, dass es Teil des Wappens von Amalfi ist.
Transfer nach Amalfi:
„Geliebteste Brüder!
Aus diesem Grund bitte ich, oder vielmehr der Herr, euch als Herolde Christi, dies überall bekannt zu machen und alle Menschen jeden Ranges, Fußsoldaten und Ritter, Arme und Reiche, zu bewegen, diesen Christen unverzüglich Hilfe zu bringen und dieses niederträchtige Volk aus den Ländern unserer Freunde zu vertreiben. Ich sage dies den Anwesenden, es gilt auch den Abwesenden. Und Christus befiehlt es.