2. Geistliche Fundamente
und Spiritualität in der Ordensregel

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a. Das Gottesbild
Die Weihe an den Herrn:
Ein Leben nach den evangelischen Räten zur Ehre Gottes
Der Eintritt in den Orden bedeutete eine Weihe im Sinne der vollkommenen Selbsthingabe an Gott312 Da die Regel im Namen des allmächtigen Gottes erlassen wird313, verlangt er von den Brüdern beim Jüngsten Gericht die Treue zu ihrem Versprechen, nach den evangelischen Räten zu leben314. Doch Gott hilft ihnen dabei, diese Verpflichtung zu erfüllen315. Er wohnt in seinen Heiligen und behütet sie316. Ihr Dienst, so auch die Arbeit des Generalkapitels, geschieht zur Ehre Gottes.
Deshalb und zur Ehre des Kreuzes selbst tragen sie das Kreuz auf ihren Gewändern, damit Gott sie durch dieses Banner aufgrund ihres Glaubens beschütze und verteidige. Die zweite und dritte göttliche Person werden in den Dokumenten nur selten ausdrücklich genannt – außer in den Formeln „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ und „(Jahr) nach Christi Geburt“. Aber auch wenn sich die Regel an den genannten Stellen nur auf Gott, den Herrn, bezieht, beweist der theologische Inhalt dieser Aussagen, dass Gott entweder als Dreifaltigkeit317 oder speziell Jesus Christus318 oder der Heilige Geist319 gemeint ist.
Auf Jesus Christus als solchen wird nur in wenigen Fällen ausdrücklich Bezug genommen, z. B. in der Regel, wo es heißt: „Die Mitbrüder im Priesteramt, die die Messe (für einen verstorbenen Bruder) singen, sollen für seine Seele zu unserem Herrn Jesus Christus beten320“, oder in der lateinischen Version des „Privilegs der Kranken, Weißbrot zu erhalten“ wird der Bruder, der den Vorschriften zuwiderhandelt, mit dem Verräter Jesu Christi gleichgestellt.321
b. Die Liturgie
Eine würdige Liturgie stellte einen wesentlichen Bestandteil des Dienstes im Orden des Hl. Johannes dar, diente doch die gesamte Praxis der Verherrlichung Gottes. Unter Meister Jobert erließ das Generalkapitel sogar eine eigene „Kirchenordnung“, welche präzise Regeln für diese Gottesdienste festlegte322.
Innerhalb der Kirche war ein anständiges Verhalten geboten;323 zudem musste das ewige Licht darin brennen324. Die Kirche hatte für das notwendige liturgische Gerät Sorge zu tragen325. Die Gottesdienstordnung sah vor, dass die Morgenmesse nicht vor Sonnenaufgang beginnen durfte,326 und kein Priester die Messe mehr als einmal am Tag lesen durfte (Binationsverbot)327. Dem Priester sollte am Altar von Klerikern328 in Alben gedient werden329.
Lesungen aus der Heiligen Schrift und die Besprengung mit Weihwasser (Asperges) fanden sonntags im Hospital selbst330. Das Gedenken an die Verstorbenen nahm bei den liturgischen Feiern einen großen Raum ein. Umfangreiche Vorschriften im Kapitel 14 der Regel sowie den Kapiteln 1, 4 und 5 der „Kirchenordnung“ regelten diese Zeremonien detailliert.
c. Die Sakramente
Das Sakramentenverständnis des Ordens – soweit es sich aus der zugrunde liegenden Regel und den Statuten ableiten lässt – gewährt tiefe Einblicke in seine spirituellen Fundamente.
Das Bußsakrament (Beichte) ist das Instrument der Versöhnung, um den Blick wieder ganz auf die Nachfolge Christi zu richten, wenn ein Bruder vom rechten Weg abgekommen war331. Werden Sünden öffentlich bekannt, sieht die Ordnung schwerste Strafen332 vor, die den Fehlbaren zur aufrichtigen Reue bewegen sollen333. Bezeichnend für das Selbstverständnis des Ordens des Hl. Johannes ist zudem die geistliche Sorge um die Hilfsbedürftigen: Bei ihrer Aufnahme ins Hospital sollten die Kranken zunächst die Beichte ablegen und die heilige Kommunion empfangen, noch bevor sie zu Bett gebracht wurden334.
Eine zentrale Rolle im Alltag des Hospitals spielte auch die Krankenkommunion, die den Leidenden nach ihrer Aufnahme regelmäßig gespendet wurde.335
Die tiefe Ehrfurcht vor dem Sakrament der Ehe offenbart sich indes indirekt in der „Hospitalordnung“: Hiernach unterstützte das Hospital bedürftige Brautpaare großzügig bei der Ausrichtung ihrer Hochzeit.336
d. Das Menschenbild
Das Menschenbild des Ordens zeigt sich in den Aufgaben und der Stellung der verschiedenen Stände des Volkes Gottes.
Der Ordenspriester war ein gleichberechtigtes Mitglied der Gemeinschaft und dem Prior unterstellt337. Da Diözesanpriester in jener Zeit oft alles andere als wohlhabend waren, erwähnt die Ordensregel mehrfach freiwillige Stipendien338 für Diözesanpriester, die dem Orden dienten339.
Das damalige Kirchenrecht zählte nicht nur Priester und Diakone zum Klerus , sondern alle, welche die Niederen Weihen empfangen hatten, beispielsweise auch Subdiakone und Akolythen. Sie sollten dem Priester am Altar dienen340 und ihn bei der Spendung der Heiligen Kommunion an die Kranken begleiten341. Des Weiteren wurde der Psalter allabendlich von fünf Klerikern für die Wohltäter des Hauses gelesen342.
Die Sicht des Menschen allgemein in der Regel und den ersten Statuten offenbart das Wesen der spirituellen Grundlage des Dienstes des Ordens des Hl. Johannes: Die Gläubigen werden selbst zu Heiligen343, weil Gott in ihnen wohnt344. Diese Heiligkeit mussten die Brüder bezeugen, beispielsweise wenn sie außer Haus gingen345.
Die Sicht der Armen und Kranken ist eine besonders aufschlussreiche Quelle für unser Thema: Sie werden „Arme Christi346“ oder „Arme unseres Herrn347“ genannt. Die „Armen Christi“ sind also „heilige Arme348“, in deren Namen die Regel erlassen ist349 und die wie ein Herr bedient werden350, weil sie Herren sind351.
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Kapitel 5 der Regel des Ordens des Hl. Johannes zählt ebenfalls zu ihrem Proprium.
Der Begriff „heilige Arme“ ist eine Novität, welche die Regel des Ordens des Hl. Johannes eingeführt hat.
Der Kranke ist in der Spiritualität des Ordens des Hl. Johannes ein vollwertiges Mitglied in der „Gemeinschaft der Heiligen“ des Hospitals.
Wilhelm de Ferrariis und Raoul le Funs (1165 – 1172) verwenden den Begriff „heilige Arme“ später.
Der Begriff „quasi dominus“ kann auf zwei verschiedene Arten interpretiert werden:
Einerseits als „wie ein Herr“
– man beachte, dass „Herr“ damals eine Art Hoheitstitel war - undandererseits als „wie der Herr“, also wie Gott bzw. wie Christus.
Der älteste lateinische und französische Text lässt beide Interpretationen zu, während sich der älteste deutsche Text für die Interpretation „wie ein Herr“ entschieden hat. Die vielen Diskussionen, welche dieser Interpretationen die richtige sein könnte, werden hier nicht näher ausgeführt. Stattdessen fasse ich beide zu einer zusammen:
Indem der Bruder den Kranken wie Herren dient, dient er dem Herrn.
Dies ist das erklärte Ziel des Ordens. Nirgendwo sonst in den entsprechenden Dokumenten wird deutlicher, dass Christi Worte „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan353“ in die Tat umgesetzt werden sollen. Das Hospital soll eine Gemeinschaft von Heiligen sein, in der alle gemeinsam zur Heiligung aller beitragen. Die Kranken sind berufen, Werkzeuge zur Heiligung der Brüder zu sein354, und wenn sie dieser Berufung folgen, werden sie selbst heilig. Die Brüder verherrlichen den Herrn durch ihren Dienst an den Kranken, der immer als ganzheitlicher Dienst an Körper, Geist und Seele verstanden wurde. Dadurch heiligen die Brüder die Kranken, den Dienst selbst und sich selbst. Sogar das Haus, in dem diese gegenseitige Heiligung stattfindet, wird dadurch heilig355. Jetzt verstehen wir, warum in der Ordensregel das Wort „heilig“ so häufig verwendet wird.
e. Die Askese
Ein Blick auf die asketischen Ziele und die Praxis der Brüder bietet uns einen tiefen Einblick in die Spiritualität des Ordens des Hl. Johannes356:
Im Zentrum stehen die Ordensgelübde: Alle Brüder geloben Keuschheit, Gehorsam und den Verzicht auf persönliches Eigentum357. Die Anforderungen der einzelnen evangelischen Räte werden in der Folge präzisiert::
Keuschheit: Um die gelobte Keuschheit zu wahren, müssen die Brüder den Kontakt mit Frauen meiden358. Wo dies unumgänglich ist, sind sie verpflichtet, das Schamgefühl zu bewahren359. Entgegen den damaligen Gepflogenheiten ist es ihnen zudem untersagt, nackt zu schlafen360. Verfällt ein Bruder trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in Unzucht, muss er, sofern er heimlich gesündigt hat, heimlich beichten und eine entsprechende Buße tun361. Wird die Sünde jedoch öffentlich bekannt, folgt eine strenge Bestrafung362.
Gehorsam: Was auch immer der Meister von einem Bruder verlangt363, dieser muss es gehorsam ausführen. Diese Hingabe wird als „heiliger Gehorsam“ bezeichnet, da sie als wesentliches Instrument zur Heiligung dient364.
Armut: Zur Erfüllung des Armutsgelübdes gehört eine einfache, keineswegs luxuriöse Kleidung365. Dieser Forderung wird durch die Androhung schwerer Strafen Nachdruck verliehen – selbst über den Tod hinaus, sollte ein Mitbruder im Besitz verbotener Güter verstorben sein366. Wurde ein solcher Besitz zu Lebzeiten entdeckt, band man dem Betreffenden das Geld um den Hals; er wurde nackt durch das Hospital geführt und schwer geschlagen367.
Eine weitere asketische Verpflichtung stellt das Fasten dar. Die Brüder dürfen lediglich zweimal täglich speisen; an Mittwochen und Samstagen sowie in der Zeit von Septuagesima bis Ostern ist der Genuss von Fleisch untersagt368.
Darüber hinaus sind die Brüder zu äußerster Bescheidenheit369 aufgerufen und zur Einhaltung des Stillschweigens370 verpflichtet – insbesondere bei Tisch sowie nach der Komplet.
f. Die Heiligenverehrung
Ein weiteres wesentliches Element der ordenseigenen Spiritualität ist die Heiligenverehrung, obgleich dieses Thema in den Quellen der hier untersuchten Frühzeit nur vereinzelt explizit Erwähnung findet.
Maria371, die heilige Mutter Gottes, und der heilige Johannes werden in der Ordensregel lediglich ein einziges Mal gemeinsam genannt. In Kapitel 15 heißt es: „All dies [...] gebieten und verordnen wir im Namen des allmächtigen Gottes und der Seligen Maria und des Hl. Johannes und der (heiligen) Armen.“ Interessanterweise fügt hier nur die deutsche Quelle das Attribut „heilig“ bei den Armen ein. Diese Formel führt Maria, Johannes und die Armen gewissermaßen als die zentralen Schutzheiligen des Ordens ein.
Die Wurzeln dieser Verehrung lassen sich historisch herleiten: Die Kirche des Hospitals wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche der Heiligen Maria Latina errichtet und entstammte diesem klösterlichen Umfeld. Die Marienverehrung
wurde von dort offensichtlich bruchlos fortgeführt. Dass diese geistliche Ausrichtung im Laufe der Zeit an Bedeutung gewann, belegen spätere Quellen: Um 1239 ist mit Sicherheit belegt, dass Novizen bei ihrer Aufnahme geloben mussten: „Ich gelobe und verspreche Gott, dem allmächtigen Gott, der allerseligsten Jungfrau Maria und dem Hl. Johannes dem Täufer, dass ich dem Oberen, den Gott und unser Orden mir gegeben haben, stets gehorchen werde, dass ich ohne Besitz leben werde und dass ich die Keuschheit bewahren werde, so wahr mir Gott helfe.372" Diese tiefe Verehrung spiegelt sich auch in den Berichten Bosios wider, auf die sich Moroso bezieht. Darin wird die besondere Hingabe der Ritter gegenüber der Heiligen Jungfrau sowie die Errichtung zahlreicher Heiligtümer zu ihren Ehren hervorgehoben.
Bild: Unsere Hl. Frau von Philermos373
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Unter diesen ist das Heiligtum |
Die Verehrung des Bildes |
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377Die Verehrung Unserer Lieben Frau von Damaskus |
und |
Die Verehrung des Hl. Johannes spielt im Orden eine besondere Rolle, zumal der Orden nach ihm benannt ist. Zunächst gilt es jedoch zu unterscheiden:

Das Männerhospiz und seine Kapelle, die als Erweiterung des Klosters St. Maria Latina errichtet wurden, waren ursprünglich gegen Ende des 11. Jahrhunderts dem
Hl. Johannes
dem Barmherzigen379 geweiht.
Die Historiker, die das Hospital des Hl. Johannes von Jerusalem als Fortsetzung des Hospizes betrachten, nennen ihn auch den ersten Schutzpatron des Ordens des Hl. Johannes380.
Er war ein 550 geborener Adliger aus Zypern.
Er wurde Patriarch von Alexandria in Ägypten.
Bald wurde er im Osten als einer der größten Wohltäter verehrt, da er sich besonders den Armen und Kranken widmete. Er gründete Krankenhäuser und Häuser für die Armen und war der Erste, der die Armen und Kranken seine „Herren und Meister“ nannte.
Er starb zwischen 616 und381.
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Die meisten Historiker, die eine Abhängigkeit des Hospitals vom Amalfitanischen Hospiz leugnen, betrachten Johannes den Täufer von Anfang an als Schutzpatron des Ordens383.
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Das erste Dokument, das Johannes den Täufer erwähnt, ist die Schenkungsurkunde von Foupier Favard über das Land Diosolvol.
Dieses Dokument385 stammt aus der Zeit zwischen 1106 und 1110.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt, also noch zu Lebzeiten des Gründers Gerhard, gilt Johannes der Täufer als Schutzpatron des Ordens.
So nennt auch die Bulle „ Pie postulatio voluntatis “ von Papst Paschalis II. vom 15. Februar386 Johannes den Täufer als Schutzpatron.
Er wurde als Vorläufer Christi verehrt.
Er lebte in der Wüste und predigte dort, wie die Brüder des Ordens des Hl. Johannes, die in eine fremde, wüstenartige Gegend zogen, um dort Christus zu dienen.
Der heilige Johannes (wahrscheinlich als Stellvertreter Christi) wird auf den
Münzen des Ordens389 des beginnenden 16. Jahrhunderts symbolisch als Lehensherr390 dargestellt, der den Großmeister mit Fahnen belehnt, oder sein (Johannes‘) Kopf auf der Schale nach seiner Enthauptung,
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während der Großmeister und der Ordensrat auf den ältesten Siegeln des Ordens vor dem Grab Christi knien und beten393.
Waldstein-Wartenberg erwähnt die Verehrung des Hl. Johannes des Täufers als Schutzpatron der Einsamen und der Baptisterien in Frankreich und Bedford berichtet, dass der Heilige Johannes auch als Schutzpatron der Kranken verehrt wurde – er meint damit Epileptiker394.
Exkurs: Die Heiligen und Seligen des Ordens in der Zeit bis 1187Das offizielle Verfahren zur Heiligsprechung, wie wir es heute kennen, entwickelte sich in der katholischen Kirche ab dem 10. Jahrhundert. Die wichtigsten Etappen im Überblick:
Bis 1187 wurden dem Orden des Hl. Johannes
Das Leben und Wirken des Seligen Gerhard ist in diesem Werk schon ausführlich beschrieben. Dasselbe trifft auf den Seligen Raimund zu. Er wird vor allem innerhalb der Tradition und Liturgie des Ordens als Seliger verehrt. Hier wird er konkret so bezeichnet:
6BDer Heilige Gerlach von Valkenburg / HouthemWikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Gerlach_von_Houthem) schreibt: „Gerlach von Houthem (Namensvarianten: Gerlachus, Gerlac, Gerlach von Valkenburg, und andere; * um 1100 in Valkenburg aan de Geul; † zwischen 1164 und 1177 in Houthem bei Valkenburg aan de Geul) war ein Ritter und nachfolgend Eremit aus dem Herzogtum Limburg. Er wurde später heiliggesprochen und wird besonders im Raum Maastricht und Aachen in vielfältiger Weise verehrt. Sein katholischer Gedenktag ist der 5. Januar. Leben und Wirken Gerlach war von adeliger Herkunft und nahm als Ritter an verschiedenen Kampfeinsätzen, aber auch an Ritterturnieren teil. Bei einem dieser auswärtigen Turniere wurde ihm mitgeteilt, dass zu Hause seine Frau gestorben sei. Gerlach zeigte sich zutiefst betrübt darüber, dass er in ihren letzten Tagen nicht anwesend gewesen war, und bereute sein leichtfertiges Leben. Er pilgerte daraufhin nach Rom und bat den Papst um eine angemessene Buße. Dieser riet ihm, zunächst sieben Jahre lang nach Jerusalem zu pilgern und dauerhaft ein christlich asketisches Leben zu führen. Gerlach verschenkte daraufhin alle Besitztümer und Luxusgüter und begab sich auf die auferlegte Pilgerreise nach Jerusalem. Dort arbeitete er in einem Krankenhaus der Johanniter und als einfacher Hirte auf dem Feld.“ Es muss ungefähr im Jahr 1151 gewesen sein, als Papst Eugen III. ihm Es war das Hospital des Ordens des Hl. Johannes und möglicherweise der selige Raimund, die ihn willkommen hießen. Wikipedia schreibt weiter: „Anschließend ließ sich Gerlach
Gerlach starb an einem 5. Januar Sein Gedenktag wird am 5. Januar gefeiert.
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g. Die Werke der Nächstenliebe.
Hospitalität als Kernaufgabe des Ordens
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„Die Hospitalität nimmt den ersten Rang unter allen Werken der Frömmigkeit und Menschlichkeit ein. Alle christlichen Völker stimmen darin überein, weil sie alle anderen Tugenden einschließt. Sie muss von allen Menschen guten Willens geübt und geachtet werden – ganz besonders von denen, die den ehrenvollen Namen eines Hospital-Ritters führen. Deshalb dürfen wir uns keiner anderen Aufgabe hingebungsvoller widmen als derjenigen, von welcher der Orden seinen Namen ableitet.416“
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Die Historie belegt, dass diese Worte René Aubert de Vertôts keine bloße Formel waren, sondern im praktischen Dienst lebendig umgesetzt wurden.
Die Hospitalität des Ordens des Hl. Johannes wurzelt in der zuvor behandelten tiefen Spiritualität; sie ist deren praktischer Ausdruck. Hospitalität wird hier konsequent als Dienst an den Armen des Herrn verstanden. Dies spiegelt sich in der Titulatur wider: Die Großmeister firmieren als „Diener der Armen unseres Herrn Jesus Christus“418 oder „Diener der armen Kranken“419, die Mitbrüder schlicht als „Diener der Armen“420.
Diese Haltung mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, da ritterliches Selbstverständnis selten mit Demut assoziiert wird. Doch das ritterliche Ideal der Treue fand hier seine sakrale Zuspitzung: Die Kreuzfahrer betrachteten Christus als ihren obersten Lehnsherrn. Da Christus sich in der Nachfolge von Matthäus 25,37-40 mit den Geringsten identifiziert, wird der Dienst am Hungrigen, Kranken oder Gefangenen zum unmittelbaren Dienst an Christus selbst.
Die Pflege der Armen als „Herren“ ist somit die logische Konsequenz aus ritterlicher Loyalität und christlichem Glauben.
Die Lesart der lateinischen Handschrift der Ordensregel (JR II,2) spricht noch deutlicher von:


„Domini nostri pauperes quorum servos nos esse fatemur“
Unsere Herren, die Armen, deren Diener zu sein wir bekennen …
Die Regel des Ordens des Hl. Johannes nennt die Ordensmitglieder

„fratres at servitium pauperum venientes“
= Brüder, die zum Dienst an den Armen kommen.

In späteren Fassungen der Regel wird dies zum dualen Auftrag erweitert
"fratres accedentes ad obsequium pauperum et tuitionem fidei catholicae"
(Brüder, die zum Dienst an den Armen
und zum Schutz des Katholischen Glaubens herantreten).
Daraus leitet sich unser Ordensmotto
„tuitio fidei et obsequium pauperum“ ab.
Ein Proprium des Ordens des Hl. Johannes (vgl. Kap. 3 der Regel) ist dabei die Ganzheitlichkeit der Sorge: Der Dienst beschränkt sich nicht auf die physische Pflege sondern schloss die Sorge um das Seelenheil der Betreuten wie der Betreuer ein. Die pastorale und sakramentale Dimension – priesterliche Krankenbesuche und die Krankenkommunion – sind keine optionalen Ergänzungen, sondern integrale Bestandteile der Pflege.
Im Orden des Hl. Johannes wird die Nächstenliebe somit zum vollzogenen Gottesdienst: Der hospes (Gast) ist Christus selbst, der uns in den Kranken begegnet.
Die Hospitalitas als Heilsereignis und die „communio sanctorum“:

Gott schenkt mir seine Liebe und sendet mich
Ich helfe dem Kranken
und begegne im Kranken dem (leidenden) Herrn
Der Kranke erfährt meine Hilfe
und begegnet damit dem [heil(ig)enden] Herrn
Und wird heil(ig) im Eins-Sein mit Gott.
Dadurch transformiert sich …
das Hospital zum Ort der Heilserfahrung,
die Hospital-Gemeinschaft zur „Gemeinschaft der Heiligen“ und
die Hospitalität zum sakramentalen Heilsereignis.
Historische Alleinstellung und das „Vierte Gelübde“
Der Orden des Hl. Johannes war die erste Gemeinschaft des Abendlandes, die die Hospitalität zur primären Ordensaufgabe erhob. Während römische Valetudinarien primär der Erhaltung der Arbeitskraft von Sklaven dienten und bischöfliche Xenodochien (ab dem 5. Jahrhundert421) eher allgemeine Versorgungseinrichtungen waren, zeichnete sich der Orden des Hl. Johannes durch eine primäre Ausrichtung auf die Armen- und Krankenpflege in großem Umfang aus. Obschon die ursprüngliche Regel noch kein explizites Hospitalitätsgelübde kennt, kodifiziert das Gewohnheitsrecht des Ordens des Hl. Johannes um 1239 (Kap. 121) ein einzigartiges Aufnahmezeremoniell. Neben den evangelischen Räten (Gehorsam, Keuschheit, Armut) tritt ein viertes, distinktives Versprechen hinzu: „...denn Ihr versprecht,
Diener und Sklave zu sein unseren Herren Kranken.“
Die Architektur des Heils: Sakralraum und Krankensaal
Diese theologische Ausrichtung prägte die Architektur: Viele Krankenstationen des Orden des Hl. Johannes besaßen eingebaute Altäre oder waren als zweistöckige Kirchen konzipiert.424 Durch diese Anordnung konnten die Patienten im Obergeschoss die Liturgie am Altar unten sehen und hören und so auch im Bett daran teilnehmen.

Ein Prinzip, das sich bis in die Lazarettzüge des Ersten Weltkriegs425

und andere Einrichtungen wie San Giacomo in Augusta in Rom tradierte426.
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Heilige Messe in der Blessed Gérard’s Kirche in Mandeni/Südafrika
Die Regel des Ordens des Hl. Johannes priorisiert konsequent die pastoral-sakramentale Sorge. Bevor die stationäre Aufnahme erfolgt, wird das Seelenheil durch die Sakramente der Versöhnung und Eucharistie gesichert. Erst danach wird der Kranke als „Quasi dominus“ (wie der bzw. ein Herr) aufgenommen und täglich gestärkt (reficiantur).
Das älteste Siegel des Ordens
aus der Ära des Seligen Raimund du PuyBild428
und eine Bleibulle, die im 12. Jahrhundert von Großmeistern in Jerusalem verwendet wurde. symbolisieren diesen Zusammenhang:
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Die Bulle zeigt das Hospital des Ordens in Jerusalem, erkennbar an der Inschrift „HOSPITALIS HIERUSALEM“ und dem achteckigen Kreuz. In der Mitte befindet sich eine Kuppel, von der die Lampe des Ewigen Lichts herabhängt. Das „Ewige Licht“ bezeugt die ununterbrochene Gegenwart Christi im Altarssakrament. Links ist ein Weihrauchfass abgebildet, das die Gebete und die Fürsorge der Ritter für die Kranken symbolisiert. Der im Bett liegende Kranke stellt Christus dar, mit einem Heiligenschein und der Dornenkrone, die seine Göttlichkeit und sein Leiden versinnbildlichen.
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Das Hospital von Jerusalem als umfassendes Sozialsystem
Die Statuten belegen, dass der Orden des Hl. Johannes bereits in seiner Frühphase ein hochdifferenziertes System der Nächstenliebe betrieb. Das Hospital von Jerusalem war weit mehr als ein hospitium (Gästehaus); es fungierte als umfassendes Zentrum karitativer Fürsorge, das Säuglingspflege, Wohlfahrtshilfe für Bedürftige und Gefangenenfürsorge einschloss. Qualitativ wie quantitativ stellte es die erste reguläre und professionelle Hilfsinstitution des christlichen Abendlandes dar.
431Die Dimensionen
des Hospitals von Jerusalem
Die Effizienz und der Umfang der sozialen Leistungen des Ordens des Hl. Johannes lassen sich eindrucksvoll an der Logistik des Hospitals in Jerusalem ablesen.
Johannes von Würzburg, der 1135 Jerusalem besuchte, hinterließ 1170 eine detaillierte Beschreibung432, die den außergewöhnlichen Charakter dieser Einrichtung dokumentiert:
„Gegenüber der Grabeskirche, auf der gegenüberliegenden Seite des Weges Richtung Süden, steht eine wunderschöne Kirche, die zu Ehren Johannes des Täufers erbaut wurde. Angeschlossen ist ein Hospital, in dem in verschiedenen Räumen eine enorme Menge Kranker, Männer wie Frauen, versammelt ist. Sie werden täglich mit großem Aufwand gepflegt und gesund gemacht. Als ich dort war, erfuhr ich aus dem Bericht der dienenden Brüder selbst, dass die Gesamtzahl dieser Kranken zweitausend betrug, von denen manchmal im Laufe eines Tages und einer Nacht mehr als fünfzig tot hinausgetragen werden, während ständig viele neue hinzukommen. Was soll ich noch sagen? Dasselbe Haus versorgt ebenso viele Menschen draußen mit Lebensmitteln wie drinnen, zusätzlich zu der grenzenlosen Wohltätigkeit, die es täglich den Armen schenkt, die von Tür zu Tür um Brot betteln und nicht im Haus wohnen, so dass die Gesamtsumme seiner Ausgaben sicherlich nicht einmal von den Verwaltern und Verwaltern berechnet werden kann. Zusätzlich zu all diesen Geldern, die für die Kranke und andere Arme, dieses Haus unterhält in seinen verschiedenen Burgen auch viele Personen, die in allen möglichen militärischen Übungen zur Verteidigung des Landes der Christen gegen die Invasion der Sarazenen ausgebildet sind.“
Infrastruktur und ganzheitliche Fürsorge
Diese Schilderung verdeutlicht, dass das Hospital des Ordens des Hl. Johannes weit über eine medizinische Station hinausging. Es war eine multifunktionale Großinstitution, die sowohl Kranke stationär behandelte als auch Gesunde und Pilger „hospitaliter“ aufnahm. Die Dimension von 2.000 Betten unterstreicht die quantitative Einzigartigkeit im 12. Jahrhundert.
Ein wesentliches Merkmal des Ordens des Hl. Johannes war zudem die Verknüpfung von karitativem Dienst und militärischem Schutz. Die Erwähnung der bewaffneten Kräfte zur Sicherung der Ländereien und Burgen belegt die bereits früh einsetzende strukturelle Doppelnatur des Ordens: Der Schutz der Gläubigen (tuitio fidei) bildete den notwendigen Rahmen, um den Dienst an den Armen (obsequium pauperum) überhaupt erst zu ermöglichen.
Somit stellt das Hospital von Jerusalem im Kontext des Ordens des Hl. Johannes ein ganzheitliches Modell christlicher Existenz dar, das physische Heilung, soziale Absicherung und militärischen Schutz in einer theologisch begründeten Einheit zusammenführte.
Exkurs erstellt durch Google KI: Die funktionale Differenzierung: Fratres armorum und Fratres infirmarii Die Professionalität des Ordens des Hl. Johannes manifestierte sich bereits früh in einer klaren internen Aufgabenverteilung. Diese Differenzierung war kein Ausdruck einer hierarchischen Wertung, sondern die notwendige strukturelle Antwort auf den dualen Auftrag von tuitio fidei und obsequium pauperum. 1. Die Fratres infirmarii (Krankenbrüder) Die fratres infirmarii bildeten den spirituellen und operativen Kern des Hospitals. Ihr Dienst war unmittelbar auf das „Proprium“ des Ordens des Hl. Johannes ausgerichtet: die direkte Pflege der „domini nostri pauperes“.
2. Die Fratres armorum (Waffenbrüder) Die fratres armorum (später oft als Ritterbrüder bezeichnet) stellten die militärische Kapazität des Ordens des Hl. Johannes dar. Ihre Rolle darf jedoch nicht isoliert vom Hospitalwesen betrachtet werden.
Die organisatorische Einheit Trotz dieser spezialisierten Fachbereiche blieb der Orden des Hl. Johannes eine unteilbare Einheit. Die Quellen belegen, dass die militärischen Ressourcen (Burgen, Ländereien, Bewaffnete) konsequent auf das Ziel der Hospitalität hingeordnet waren. Die fratres armorum schufen die äußere Sicherheit, damit die fratres infirmarii das Heilsereignis der Hospitalität vollziehen konnten. Erst durch diese Professionalisierung konnte der Orden des Hl. Johannes über Jahrhunderte hinweg als die stabilste Hilfsinstitution des Abendlandes bestehen. |
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Kapazität und Universalität des Dienstes
Weitere zeitgenössische Zeugnisse stützen die Berichte über die außergewöhnliche Kapazität des Hospitals in Jerusalem. Der Pilger Theoderich433, der die Einrichtung um 1172 besuchte, dokumentierte 1000 Betten. Ein konkretes Beispiel für die logistische Leistungsfähigkeit liefert Roger de Moulins für das Jahr 1177: Nach der Schlacht von Tell Diezer (Montgisard/Ramla) wurden 750 verwundete Soldaten in das Hospital eingeliefert, das zu diesem Zeitpunkt bereits 900 Kranke versorgte.
Ein wesentliches Distinktionsmerkmal des Ordens des Hl. Johannes war die unbedingte Universalität der Aufnahme: Bei der Behandlung wurde kein Unterschied hinsichtlich der Herkunft oder Religionszugehörigkeit der Hilfesuchenden gemacht. Diese gelebte Unparteilichkeit führte bereits im 11. Jahrhundert zu einer Form des Gentlemen’s Agreement seitens der nicht-christlichen Gegner gegenüber dem Hospital.
Zwehl würdigt diese Pionierleistung des Ordens des Hl. Johannes mit den Worten:
„Den Johannitern gebührt die Ehre, als erste die Unterbringung und Pflege von Kranken aller Art und Herkunft in größerem Umfang in Angriff genommen zu haben.434 “
Neben der sozialen Offenheit setzte der Orden des Hl. Johannes auch neue qualitative Standards in der Infrastruktur. Außergewöhnlich für die mittelalterliche Epoche war der Umstand, dass jedem Patienten ein eigenes Bett zugewiesen wurde435. Insgesamt markierte die Hospitalität des Ordens des Hl. Johannes somit einen substanziellen Fortschritt in der abendländischen Krankenpflegegeschichte.
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Die universale Anerkennung durch weltliche und geistliche Mächte
Die herausragende Stellung des Ordens des Hl. Johannes wird durch die Anerkennung der höchsten zeitgenössischen Autoritäten unterstrichen.
Friedrich Barbarossa und Richard Löwenherz
Kaiser Friedrich I. Barbarossa würdigte die Leistungen als „unschätzbare Werke der Barmherzigkeit“438.
In ähnlicher Weise rühmte Richard Löwenherz das „heiligste Hospital von Jerusalem“ als „großartig in Werken der Frömmigkeit“439.
Diese weltliche Wertschätzung korrespondierte mit der päpstlichen Anerkennung der besonderen Ordensstruktur.
In seiner Bulle „Quanto maior“ vom 9. März 1160 bezeichnete
Papst Alexander III. die Brüder im Orden des Hl. Johannes ausdrücklich als „standhafte Kämpfer Christi“440. Diese Titulierung legitimierte die für den Orden des Hl. Johannes charakteristische Einheit von caritativem Dienst und ritterlicher Schutzfunktion.
Lichtblicke in die Ordensgeschichte: Neue Quellenfunde
Zwei bedeutende Entdeckungen haben die Forschung zur praktischen Tätigkeit des Ordens des Hl. Johannes im mittelalterlichen Jerusalem entscheidend vorangebracht.
1988 erschloss Berthold Waldstein-Wartenberg in seinem Buch
„Die Vasallen Christi“ einen faszinierenden Augenzeugenbericht
aus der Münchner „Johanniterregel“ (CLM 4820, Blätter 132v – 139v.).Ergänzt wurde dies 2010 durch Katja Klement, die im Codex Vaticanus Lat. (Nr. 4652, Blätter 89r – 104r) auf eine bisher unbekannte Hospitalordnung stieß. Diese Roger de Moulins zugeschriebene Quelle verdeutlicht eindrucksvoll das Selbstverständnis der Ritter als „Gottes Gastgeber“.
„Die Vasallen Christi“441
(CML 4620):
Einblicke in die Krankenpflege des frühen Ordens des Hl. Johannes
Die Entdeckung
des „Augenzeugenberichts“
Einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung der Frühgeschichte des Ordens des Hl. Johannes leistete Berthold Graf von Waldstein-Wartenberg im Jahr 1988 mit seinem Werk „Die Vasallen Christi“. Grundlage seiner Ausführungen war ein Fund in der Bayerischen Staatsbibliothek München (CML 4620 f. 132 v – 139 v): der Bericht eines unbekannten deutschen Mönchs. Waldstein-Wartenberg vermutet hinter dem Verfasser entweder Johannes von Würzburg oder den Pilger Theoderich.
Der Autor gibt an, sich bereits vor der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer innerhalb der Stadtmauern aufgehalten zu haben, wobei er selbst als Patient im Hospital aufgenommen wurde. Die dort erfahrene karitative Hingabe bildete einen derart starken Kontrast zum weltlichen Treiben der Stadt, dass er sich inspiriert fühlte, eine Abhandlung über die Nächstenliebe zu verfassen. Diese enthält eine detaillierte Beschreibung der Krankenpflege des Ordens des Hl. Johannes. Da der Verfasser die Ärzte und Pfleger nicht durch Befragungen von ihrer Arbeit ablenken wollte, beschränkte er sich auf reine Beobachtungen. Dieser Umstand macht das Dokument heute besonders wertvoll, da es den ungeschönten Alltag widerspiegelt – auch wenn der Autor sichtlich Mühe hatte, zwischen Rittern und dienenden Brüdern zu unterscheiden oder die korrekten Ordenshierarchien wiederzugeben.
Das Hospital als „Palast der Kranken“
Das Krankenhaus folgte dem radikalen Prinzip der Universalität: Es nahm Kranke aller Nationen, Stände und Konfessionen auf. Jeder Patient galt – ungeachtet des Geschlechts oder Glaubens – als „Herr“ und Stellvertreter Christi. Das Hospital wurde konsequenterweise als „Palast der Kranken“ bezeichnet; es gehörte symbolisch den Patienten, nicht dem Orden.
Um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, beschäftigte der Orden neben europäischen Fachkräften vermutlich auch orientalische Ärzte. Dies steigerte das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung in die Einrichtung erheblich.
415Mobilität und Feldmedizin
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Die Fürsorge des Ordens begann bereits außerhalb der Lazarettmauern. Kranke, die den Weg nicht aus eigener Kraft bewältigen konnten, wurden von den Ordensbrüdern abgeholt. Historisch bemerkenswert ist die Existenz eines mobilen Sanitätsdienstes, der die Kreuzfahrer auf ihren Zügen begleitete. Zum Personal gehörten hauptberufliche Chirurgen, die auf Schlachtfeldern Zelte und Pavillons zur Erstversorgung errichteten. Die Brüder stellten sogar ihre eigenen Reittiere und Lasttiere für den Transport der Verwundeten zur Verfügung – ein Symbol dafür, dass ihr Besitz letztlich nur eine Leihgabe ihrer „Herren“, der Kranken, war.
Aufnahme und pflegerische Struktur
Bei der Ankunft im Hospital wurde jeder Patient vom Pförtner mit dem Respekt empfangen, der sonst nur Königen gebührte. Der Aufnahmeprozess begann spirituell: Vor der medizinischen Behandlung stand die Beichte und der Empfang der Heiligen Kommunion, die als „himmlische Medizin“ bezeichnet wurde – eine Praxis, die der Orden von der medizinischen Schule in Salerno übernommen hatte.
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Das Hospital war in elf Stationen gegliedert, die nach Krankheitsbildern getrennt waren. Eine Station umfasste zwischen 90 und 180 Betten und wurde von einem zwölfköpfigen Pflegeteam unter Leitung eines Oberpflegers betreut. Die Frauenstation, die primär als Geburtsstation fungierte, lag in einem separaten Gebäude, vermutlich im Westflügel nahe dem Kloster Maria Latina Maior.
Komfort und Ernährung als Heilmittel
Die Ausstattung der Krankensäle war für mittelalterliche Verhältnisse luxuriös. Die Betten waren groß, mit Leinenlaken, Federkissen und Tagesdecken ausgestattet, um den Patienten jegliche Härte zu ersparen. Beim Verlassen des Bettes erhielten die Patienten Mäntel, Pelze und Schuhe, damit sie auf den kühlen Marmorböden weder froren noch sich beschmutzten.
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Die Ernährung war zentraler Bestandteil der Therapie. Während die Grundverpflegung (Fleisch an Dienstagen und Donnerstagen, Fladenbrot an den übrigen Tagen) in der Klosterküche zubereitet wurde, gab es ein ausgeklügeltes System für Zusatznahrungen. Bei Appetitlosigkeit oder zur Stärkung wurden Delikatessen wie Rebhühner, Tauben, Lamm, Fisch oder frisches Obst (Granatäpfel, Birnen, Feigen) eingekauft. Hierfür stellte die Ordenskasse jeder Station ein wöchentliches Budget zur Verfügung. Interessanterweise speisten die Ordensmitglieder erst nach den Kranken und erhielten exakt dieselben Speisen, um die Qualität der Verpflegung sicherzustellen.
Medizinische Praxis und Hygiene
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Die Hygiene nahm einen hohen Stellenwert ein. Neben der regelmäßigen Körperpflege (Haareschneiden, Bartpflege, Fußwaschungen mit Bimsstein) wurden die Stationen während der Mahlzeiten rituell mit Wasser besprengt und mit dem Holz des orientalischen Lebensbaums geräuchert. Dies diente nicht nur dem Zeremoniell, sondern wirkte desinfizierend und insektenabweisend.
Die medizinische Leitung lag in den Händen gelehrter Fachkräfte. Da das europäische Wissen begrenzt war, rekrutierte der Orden gezielt jüdische, arabische, armenische und syrische Ärzte. Die Visiten fanden morgens und abends statt, wobei die Ärzte von Pflegern begleitet wurden, welche Rezepte notierten und Proben für die damals zentrale Urinanalyse bereithielten.
Die Humoralpathologie und chirurgische Eingriffe
Ergänzend zu den Ärzten beschäftigte das Hospital Barbiere für chirurgische Tätigkeiten wie den Aderlass. Diese Behandlungen basierten auf der antiken Humoralpathologie (Viersäftelehre). Man glaubte, Krankheiten entstünden durch ein Ungleichgewicht von Blut, Schleim, gelber Galle und schwarzer Galle. Ein Übermaß dieser Säfte beeinflusse nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Temperament (Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker, Melancholiker). Der Aderlass galt als notwendiges Mittel, um dieses Gleichgewicht künstlich wiederherzustellen.
Die Nachtwache: Hingabe und Kontrolle
Ein besonderes Merkmal der Pflege im Orden des Hl. Johannes war die lückenlose Versorgung nach Einbruch der Dunkelheit. Pro Station übernahmen zwei Brüder die Nachtschicht. Um die Patienten vor nächtlichen Ängsten, „Illusionen und Zweifeln“ zu bewahren, blieb die Station durch mehrere Lampen hell erleuchtet.
Der Nachtdienst war geprägt von einem rituellen Versorgungszyklus: Die Brüder schritten die Reihen ab und boten mit den Rufen „Wein von Gott!“ und „Wasser von Gott!“ Getränke an. Später folgte die Reinigung der Patienten mit warmem Wasser, die laut Augenzeugenbericht stets mit „sanftem Zureden“ und ohne Zwang erfolgte. Während der Nachtruhe wachten die Brüder ununterbrochen darüber, dass die Kranken warm zugedeckt und bequem gebettet blieben. Im Ernstfall oblag es ihnen, den Priester für die Krankensalbung und Wegzehrung zu rufen oder Verstorbene würdevoll aus dem Saal zu geleiten.
Das Gebet als geistiges Heilmittel
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Obwohl der Berichterstatter es nicht explizit erwähnt, war das gemeinschaftliche Gebet fester Bestandteil des Alltags. Die „Herren Kranken“ wurden aktiv in das Fürbittgebet einbezogen. Man bat sie, für den Frieden, die Früchte der Erde, die Kirchenhierarchie, das Heilige Land sowie für Wohltäter und Kriegsgefangene zu beten. Dahinter stand die mittelalterliche Überzeugung, dass Kranke durch ihr Leid Christus besonders nahestünden und ihre Gebete daher eine stärkere Wirkkraft besäßen.
Um die Qualität der Pflege auch nachts sicherzustellen, fand eine feierliche Lichterprozession aller Diensthabenden statt. Dabei wurde kontrolliert, ob das Personal seine Pflichten ordnungsgemäß erfüllte. Ein gewählter Aufseher patrouillierte zudem die gesamte Nacht, um Nachlässigkeiten sofort zu korrigieren. Verstöße gegen die Ordensdisziplin oder die missbräuchliche Behandlung von Patienten wurden drakonisch bestraft – dies reichte von öffentlicher Geißelung bis hin zu 40 Tagen Arrest bei Wasser und Brot sowie dem sofortigen Ausschluss aus dem Dienst.
Das Frauenhospital: Geburtshilfe und Fürsorge
In einem separaten Gebäude, zu dem der männliche Berichterstatter vermutlich nur eingeschränkten Zugang hatte, befand sich das Frauenkrankenhaus. Die dort tätigen Pflegekräfte werden als „Mütter vom Hl. Johannes“ bezeichnet – wahrscheinlich Nonnen, die aus der Tradition des Magdalena-Klosters stammten.
447Der Schwerpunkt dieser Abteilung lag auf der Geburtshilfe. Die Gebärenden erhielten warme Bäder und eine umfassende hygienische Versorgung. Jedes Neugeborene bekam eine eigene Wiege neben dem Bett der Mutter. Sollte eine Mutter jedoch zu krank oder aufgrund extremer Armut nicht in der Lage sein, ihr Kind zu versorgen, griff das soziale Netz des Ordens: Das Neugeborene wurde einer Amme anvertraut.
Soziale Verantwortung für Findelkinder
Die Fürsorge endete nicht mit der Entlassung. Wenn Mütter aufgrund ihrer prekären Lebensumstände unfähig waren, ihre Kinder aufzuziehen, organisierte der Krankenhausdirektor die Unterbringung bei Pflegefamilien. Der Bericht spricht von einer beachtlichen Größenordnung: Bis zu tausend Kinder wurden vom Orden finanziell unterstützt, wobei die jährlichen Kosten pro Kind bei etwa zwölf Talenten448 lagen. Dies unterstreicht, dass das Hospital in Jerusalem nicht nur eine medizinische Einrichtung, sondern auch ein bedeutendes Zentrum des mittelalterlichen Sozialwesens war.

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„Gottes Gastgeber“ (Vat. Lat. 4852)
Die von Katja Klement in der vatikanischen Handschrift Vat. Lat. 4852 entdeckte, wohl zwischen 1181 und 1183 von
Roger de Moulins verfasste Hospitalordnung
Über die Speisen für die Kranken und über die Ärzte und die Ordnung,
die im Palais der Kranken in Jerusalem üblich war.
Vom Meister des Hospitals und vom Generalkapitel wurde bestimmt, dass jeden Tag jeder Kranke ein halbes weiches Brot und genügend Brot des Hauses haben soll, und denselben Wein, wie der Konvent.
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Die Ärzte sollen genau die Eigenschaften der Kranken untersuchen und welche Krankheiten sie haben. Und sie sollen den Urin untersuchen und ihnen Sirup und "Electuarien"451 und die anderen Dinge geben, die die Kranken nötig haben und sie sollen die schädlichen Dinge verbieten und die nützlichen verabreichen. Und je kränker und schwächer sie sie vorfinden, umso mehr sollen sie sich bemühen, sie zu heilen.
Die Speisen der Kranken sollen folgende sein. Von Ostern bis zum Fest des Heiligen Michael sollen sie Fleisch von Hähnchen und anderes Geflügel bekommen, und Fleisch von Ziegen und Lämmern, die kein Jahr alt sind und Fleisch von Hammeln von einem Jahr und mehr. So wie die fisicien452 es anordnen, sollen sie versorgt werden. Und vom Fest Heiligen Michael bis zur Fastenzeit Hühnerfleisch und dasselbe wie zuvor, und Fleisch von einjährigen männlichen Schweinen, je nachdem, wie der Arzt es bestimmt. Fleisch von weiblichen Vierbeinern sollen die Kranken zu keiner (Jahres)zeit essen, und die Brüder, die die Kranken pflegen, sollen ihnen keines geben. Während der Fastenzeit soll den Kranken dreimal pro Woche frischer Fisch gegeben werden, wenn der Kranke es bei seiner Krankheit verträgt doch soll dies auf Anraten des Arztes geschehen. Gemüsesuppe und anderes Gekochtes aus Gemüse und Gerstenmehl (Graupen) und andere für Kranke geeignete Speisen sollen ihnen auf Anweisung des Arztes gegeben werden. Und gut zubereitet sollen sie ihnen an den festgelegten Tagen serviert werden. Aale und Käse und Linsen und Bohnen und Kohl und andere Speisen, die Kranken nicht zuträglich sind, verbieten wir, dass sie ihnen gegeben werden.
Über die Früchte die für die Kranken bestimmt sind
Von den Baumfrüchten, wie Granatäpfeln und anderen Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Feigen und Trauben soll ihnen, wie es die Meister, die vor uns waren, festgelegt und im Kapitel des Spitals zu Jerusalem zur Unterstützung der Armen und zu ihrem Nutzen bestimmt haben, ein Drittel gegeben werden.
Die Bestimmungen über die Brüder und die Sergenten453
in den Gängen
In jeder Krankenreihe soll es jetzt und in Hinkunft zwölf Sergenten geben, die die Betten der Kranken machen, sie sauber halten und die die Kranken zu den Aborten bringen, wobei sie sie führen und stützen sollen. Zur Überfahrt, der "Passage" zu Ostern und zu Kreuzerhöhung sollen auf Anweisung des Hospitaliers zusätzliche Sergenten aufgestellt werden. Zwischen den Reihen sollen sich jene Brüder aufhalten, die die Nachtwache halten, und zwar zwei Brüder, die jede Nacht Wache halten müssen, damit unseren Herren Kranken nichts Unvorteilhaftes geschieht.
Von den 7.500 byzantinischen Goldmünzen für die Kranken
Im Generalkapitel wurde beschlossen und bestimmt, dass 1.500 Besanten454 dem Bruder Hospitalier, dem die Pflege der Kranken obliegt, zum Anstellen von Ärzten und für Mandeln für die Kranken jährlich von der ersten Almosenspende gegeben werden sollen, die bei den zwei Überfahrten mitgebracht wird, und zwar auf folgende Weise: Die Hälfte der vorgenannten Besanten sollen dem Hospitalier zur Osterpassage übergeben werden und die andere Hälfte zur Überfahrt zu Kreuzerhöhung. Diese Besanten müssen zuerst bezahlt werden, so wie gesagt wurde, und die anderen Almosen, die übrigbleiben, sollen zum Unterhalt des Hauses ausgegeben werden.
Goldbezant mit christlichem Symbol
(1250er Jahre) (British Museum).455
Die Casalien456 der Kranken
Dies sind die Casalien, deren Obsternte und deren Produktion an Böcken, Hammeln, Ziegen, Schweinen und Hühnern dem Gemeinwohl des Hauses zukommt, und die den Kranken gehören. Und zwar das Casale von Mont Gabriel. Das Casale Sareth. Das Casale von Cuisinat Das Casal Saint Marie. Das Casale Caphaer. Das Casale Cole457. Kein Mensch darf diese Bestimmung verletzen oder diese Besitzungen wegnehmen oder mindern oder auf irgendeine Weise stören, sondern alle Sachen der Kranken sollen vollständig bewahrt bleiben, zum Nutzen des Hospitals von Jerusalem.
Über die Aufnahme und die Pflege
und die Sorge für die Armen Jesu Christi
429FWenn der Kranke zum Hospital des Hl. Johannes kommt, muss er in die Kirche gehen und warten, bis einer der Kapläne kommt, entsprechend dem Brauch und den Rechtsvorschriften des Hauses der Caritas. Die Kapläne, die zu diesem Dienst bestellt sind, sollen zu dem Kranken kommen, ihm die Beichte abnehmen, ihm die Heilige Kommunion spenden und ihn ins Palais führen. Die Sergenten sollen vorbereitet sein, ihn aufzunehmen. Und wenn es Zeit zum Mittag- oder Abendessen ist, sollen sie ihn zu den Tischen bringen, die beim Altar im Palais der Kranken (gedeckt) sind und dort soll er essen und trinken, wenn er möchte (eigentlich Plural) Danach werden (die Kranken) in den Raum der Karavane458 gebracht und entkleidet und die Kleider werden fest gebündelt und den Kranken gezeigt, damit ein jeder das Seinige wiedererkennen kann, wenn sie abreisen wollen. Und der Karavanier459 soll Jedem ein Paar Leintücher und eine Decke und einen Polster(?) und einen Humpen und einen Löffel und ein Fässchen für seinen Wein geben und er soll ihm einen Sergenten beistellen, der ihn zu Bett bringt. Dann fragen sie ihn, ob er Geld hat, damit er es dem Hospitalier zur Aufbewahrung gebe. Das Testament soll vor dem Hospitalier oder vor einem seiner Gefährten aufgesetzt werden und nach den Möglichkeiten des Hauses soll das Testament eingehalten werden. Ein Bruder und der Notar genügen für das Testament. Und wenn der Kranke es möchte, kann er einen Kaplan oder eine andere Person rufen und er soll seinen (letzten) Willen so errichten, wie Gott es ihm eingibt, und der Notar muss zu Pergament geben, wieviel er ihm ansagen wird. Der Bruder, der anwesend ist, muss ihm die Wohltaten des Hauses zeigen und soll ihn ermahnen, dass er zuerst dem Hause vermache.
Jeden Tag nach der Morgenmesse sollen die Sergenten bereit sein, dass sie den Kranken von jenem Wein geben, den der Konvent trinkt und genauso verdünnt und ein jeder nehme einen halben Liter davon in sein Fässchen. Und wenn der Kranke keinen Wein möchte, soll er Zucker haben, das Gewicht von einem Viertel. Danach sollen die Sergenten ihr Frühstück essen, ein Brot und einen (Glas?-) Humpen voll vom Wein des Konvents und eine Schale voll Gekochtes. Während diese essen, servieren der Hospitalier und seine Gefährten und jene, die sich in seinem Zimmer befinden, den Schwächsten, die in den Räumen sind, die besten und vorzüglichsten Speisen, die im Hause sind. Wenn die Sergenten gegessen haben, soll man eine Glocke läuten, die über dem Eingang der Bouteillerie460 hängt, und im ganzen Palais soll den Kranken Wasser zum Händewaschen gegeben werden. Und man soll lange und breite Tischtücher vor ihnen auflegen und die Brüder und die Sergenten sollen die Speisen zu ihnen tragen. Jeden Tag soll das weißeste Brot, das man vor Ort finden kann, gekauft werden, und jeder Kranke soll davon und vom Brot des Konvents so viel haben, wie nötig ist. An drei Tagen in der Woche, am Sonntag, am Dienstag und am Donnerstag, sollen sie Schweine- oder Schaffleisch haben. Vom Schweinebraten sollen fünf Portionen zubereitet werden, vom Schafsbraten nur vier. An diesen drei Tagen sollen Hähnchen oder Hühner in guter Brühe zubereitet werden, sehr gut gewürzt und mit Safran versetzt. Das Huhn soll in vier Teile geteilt werden, das Hähnchen in zwei. Und wer kein Schweine- oder Schaffleisch möchte, soll vom Huhn oder vom Hähnchen haben, wenn er möchte. Und wenn er weder vom einen noch vom andern möchte, soll er zwei Denare (≙ ca. 6 Euro) und eine Schüssel Gekochtes, vom Hospitalier oder von jemand anderen an seiner Statt bekommen. Wenn die Kranken gegessen haben, sollen die Fleischreste den Sergenten gegeben werden. Die größeren und schönsten Stücke jenen, die wohltätig den Kranken dienen. Jeden Abend soll Grieß im Palais all jenen gegeben werden, die davon nehmen wollen, und den Schwachen soll man gemahlene Mandeln mit Gerstengrütze oder Mandelmilch oder einen leichten Brei und Obst und andere Dinge, die sie brauchen, geben. Und wenn die Kranken zu Abend essen, soll man ihnen den Wein ebenso verdünnt wie am Morgen geben, drei halbe Liter. Am Mittwoch und am Samstag sollen die Kranken generell Salat zum Abendessen haben. Und zweimal im Monat sollen die Leintücher und die Tischdecken gewechselt werden. Am Montag und am Mittwoch und am Freitag und am Samstag sollen Kichererbsen und Mandeln oder köstliche ... serviert werden, und ein jeder soll eine Schüssel davon haben, und wer vom einen nichts möchte, soll vom anderen haben. Danach sollen sie in Wasser gekochte Eier bekommen, und wer möchte, soll vier davon haben, und wer keine möchte, soll einen Denar oder etwas anderes anstatt Eier vom Hospitalier bekommen. Und den Schwachen soll man das zubereiten, was sie verlangen. An den Tagen des großen Fastens wie der Quatember und zu anderen großen Fastenzeiten, sollen die Kranken die doppelte Ration Gekochtes bekommen. Mandeln oder Nudeln oder Reis mit Kichererbsen und reichlich Obst als Fastenspeise, wenn man solches bekommt An den einfachen Freitagen, wenn die Früchte frisch sind, sollen sie häufig Obst als Fastenspeise haben.
Bestimmungen zu Winterkleidung und Nachtwache
Zu Beginn des Winters soll man einem jeden Kranken ein Paar Schuhe zuteilen und für den gesamten Winter Decken und Bettvorleger, ganz wie es nötig ist. Jede Nacht sollen im Palais sechzehn Sergenten wachen, um für die Kranken zu sorgen. Acht sollen von der Komplet bis Mitternacht wachen und die anderen acht (von Mitternacht) bis zu Tagesanbruch. Vier sollen am einen Ende des Palais und vier am anderen, und vier in einem Zimmer bei den Schwachen und vier im anderen Zimmer wachen. Alle Sergenten sollen die ganze Nacht nach den Kranken sehen und die Abgedeckten zudecken und frisches Wasser bringen und mit leiser Stimme sagen "Ihr Herren Kranken, seht, hier ist Wasser von Gott". Die Sergenten sollen die Kranken zum Abort bringen und sie stützen und sie sollen sie hinbringen und wieder zurück zu ihren Betten bringen, und wenn es nötig ist, müssen sie sie hin und zurück tragen, und sie sollen ihnen ihre Leibschüsseln geben, wenn es nötig ist, und diese zum Ausleeren zu den Aborten tragen, sie zurückbringen und unter die Betten der Kranken stellen. Die anderen Kranken, die aus Schwäche ihre Notdurft in ihren Betten überkommt, sollen die Sergenten trocknen und sanft säubern und unter sie weiße, weiche und saubere Tücher legen und so sollen sie es Tag und Nacht machen, jedes Mal wenn es nötig ist, und nicht nur die Sergenten, sondern auch die Brüder selbst sollen dies gerne machen. Und sie sollen einen fisicien für die Schwachen haben, der sich aufmerksam um jeden einzelnen kümmert, nach ihren Bedürfnissen. Wenn die Brüder diesen fisicien zur Behandlung der Kranken anstellen, muss er auf die Heiligen schwören oder versprechen, dass er nach seinen Kräften sich um die Kranken kümmern wird, ohne etwas von ihnen zu verlangen. Am Tag der Kerzen (Maria Lichtmess) gibt der Hospitalier jedem der Sergenten eine Kerze. Am Tag vor Beginn der Fastenzeit (Faschingsdienstag) bekommen die Kranken am Morgen Lauch und frisches Schweinefleisch und am Abend Hühner in Brühe, in vier Teilen ein Huhn.
Fastenzeit und Prozessionen
Am Aschermittwoch gehen der Prior und die Kleriker und die Brüder und die Leute aus der Welt, die an diesem Tag kommen, in Prozession um die Kranken herum und singen die Psalmen und die Litanei und die Prozession soll vor dem Altar enden und man soll die Predigt zu den Gesunden und zu den Kranken zu ihrem Seelenheil halten. Danach soll der Prior mit den Kaplänen zwischen den Kranken umhergehen und ihnen die Asche geben. In der Fastenzeit bekommen die Kranken dreimal in der Woche frischen Fisch, wenn man ihn bekommen kann, genauso wie sie Fleisch an Fleischtagen bekommen, nur ausnahmsweise gesalzenen, wenn man keinen frischen bekommen kann. An den anderen vier Tagen bekommen sie die doppelte Ration Gekochtes mit Mandeln oder Nudeln oder Reis mit Kichererbsen und Rosinen oder anderes Obst. Am Sonntag wenn der Messwein ausgeteilt wird, werden die Kranken mit langen und breiten und wertvollen Decken aus Purpur und Seide und selbst solchen, die goldbestickt sind, zugedeckt. Und dort führt die Prozession hin und geht um die Kranken herum, und dann bleibt sie vor dem Altar stehen und dort liest man die Epistel und das Evangelium des Heiligen Geistes und dann kehrt die Prozession zurück zur Kirche. Jede Nacht während des ganzen Jahres führt die Prozession um die Kranken herum und der Karavanier geht voran mit einer brennenden Kerze in seiner Hand, und deckt die Abgedeckten zu, und ermahnt die Kranken freundlich, sich ruhig und anständig zu verhalten, bis die Prozession vorübergezogen ist. Hinter ihm geht ein Bruder, der Bouteillier der Kranken, welcher einen Weihrauchkessel trägt und sie beweihräuchert. Hinter ihm geht ein Bruder und spricht das Gebet für die ganze Christenheit und für alle Wohltäter des Hauses des Hospitals, ganz speziell für die besonderen (Wohltäter). Hinter ihm geht der Hospitalier, eine große brennende Kerze tragend. Hinter dem Hospitalier gehen der Prior und die Kapläne und die Kleriker. Dahinter gehen der Komtur und die anderen Brüder. Dahinter gehen die Sergenten aller Ämter. Zweimal pro Jahr oder öfter wird die Karavane aufgebrochen, je nach Notwendigkeit, dort wo sich die Sachen der Kranken befinden, auf folgende Weise: Alle Sachen der Kranken werden an einen großen und geräumigen Platz gebracht. Und dort stellen sich die Kranken geordnet auf. Zuerst jene, die in einer Abteilung (eigentlich: Reihe) liegen, und dann die anderen, die in einer anderen Abteilung liegen und jeder soll sein Bündel bezeichnen und es von den anderen absondern. Und wer fortgehen möchte, soll seine Sachen nehmen und kann weggehen, wenn er möchte. Und wer bleiben will, soll seine Sachen zur Aufbewahrung wieder in Obhut geben und die Sachen werden wieder in die "Karavane" zurückgelegt. Und wenn da jemand ist, der seine Sachen nicht finden kann, soll ihn der Hospitalier entschädigen so gut er kann. Und wenn es nicht diejenigen sind, die man ihnen auf ein einfaches Wort glauben müsste, lässt man sie auf ihre Pilgerschaft erklären, wieviel die verlorene Sache wert war, und ob er sie im Hause verloren hat. Und wenn dieser Dienst geschehen ist, werden die Sachen von jenen, die gestorben sind, in ein Zimmer gebracht und am Tag danach kommt der Hospitalier mit seinen Sergenten oder wem er am meisten vertraut und betritt dieses Zimmer und sie öffnen diese Bündel und suchen sorgfältig, ob es kein Geld darin eingenäht hat. Die Wollsachen werden zusammen auf eine Seite gelegt. und jene aus Leinen auf eine andere. Und die Gürtel werden aus den Hosen gezogen und genauso mit den Mänteln, den Schuhen und allen anderen Sachen. Wenn sie das getan haben, nimmt der Hospitalier die besten Kleider aus Wolle und aus Leinen an sich, ganz wie es ihm gefällt und bewahrt sie auf, um sie jenen zu geben, die ihre Sachen in der "Karavane" nicht finden können. Die weniger wertvollen Kleider gibt der Hospitalier zu Beginn des Winters den Sergenten die Kranken pflegen, jedem eines. Die ärmlichen Kleider und die Kleider von geringem Wert werden verkauft. Am Karfreitag bekommen die Kranken Wasser und Brot und wer Wein möchte, soll davon in seinen Humpen nehmen. Am Karsamstag bekommen die Kranken im gesamten Palais Fisch. Und wenn das Fest des Heiligen Evangelisten Markus auf einen Fleischtag fällt sollen die Kranken an diesem Tag Auflauf aus Eiern und Käse bekommen oder Fisch, wenn man ihn bekommt, oder Eier.
Feste und Feiertage
Am Montag der Rogationes461 kommen die Prozessionen aus der gesamten Stadt und führen um das Palais der Kranken herum und über sie werden Seidendecken gebreitet und an diesem Tag bekommen sie Eier und das, was sie zu haben pflegen. Am nächsten Tag erhalten sie Fisch, wenn man ihn bekommen kann, und wenn man keinen bekommen kann, erhalten sie Flaons462. Am Weihnachtstag und zu Ostern (Am Weihnachtstag) und zu Pfingsten bekommen die Kranken Fleischlaibchen und die anderen Dinge, die üblich sind, und frisches Fleisch in Sauce. Am Tag des Hl. Johannes des Täufers soll ihnen dasselbe serviert werden, wenn das Fest auf einen Sonntag, Dienstag oder Donnerstag fällt. Und wenn es auf einen anderen Tag fällt, bekommen sie Gekochtes und etwas Obst. Die Kranken müssen zur Vigil von St. Lorenz und zur Vigil von "unserer Heiligen Frau zu Mittaugust"463 fasten. Und am Festtag selbst führt die feierliche Prozession um sie herum und sie müssen zur Vigil von St. Bartholomäus, zur Vigil vor Pfingsten und zur Vigil vor Allerheiligen fasten. und zur Quatember im Mai sollen die Kranken fasten. Während das ganzen Jahres bekommen die Kranken generell am Mittwoch und am Samstag Eier, wenn man keine Vigil einhalten muss. Und am Freitag bekommen sie Kichererbsen und Mandeln und frisches Obst wenn man es bekommen kann.













7BDer Heilige Nikasius
Vom heiligen Nikasius, einem Märtyrerritter, ist nur bekannt, dass er kurz nach dem seligen Gerland lebte. Sein Bild, das in mehreren Kirchen gemalt wurde (in der Kirche des heiligen Dominikus von Palermo, der heiligen Katharina dell'Olivella – unweit des Altars der Madonna von Itria – Heilige Maria der Wunder in Palermo sowie in der Kirche des Hl. Johannes des Enthaupteten in Valletta, Malta), zeigt, dass es sich nicht um einen Mythos, sondern um einen Märtyrer unseres Ordens handelt. Unter dem Bildnis des Heiligen Nikasius, das auf eine Säule des Heiligen Dominikus von Palermo gemalt ist, ist diese Inschrift zu lesen, die von einem Volksglauben zeugt:
Unser Ritter litt also an Skrofulose als Folge seiner Folterungen. Von seinem himmlischen Platz aus wird er uns vor Skrofulose schützen, unter einer einfachen Bedingung: Wenn unsere „Drüsen“ uns oder unseren Kindern Sorgen bereiten, schreiben wir vertrauensvoll den Namen des Heiligen Nikasius auf und tragen ihn an uns oder in die Kleidung des Patienten. Der heilige Märtyrer wird die Krankheit, die er kannte, tatsächlich heilen können.
Leben und Martyrium
Wunder und Verehrung


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und eine Bleibulle, die im 12. Jahrhundert von Großmeistern in Jerusalem verwendet wurde. symbolisieren diesen Zusammenhang:
Die Bulle zeigt das Hospital des Ordens in Jerusalem, erkennbar an der Inschrift „HOSPITALIS HIERUSALEM“ und dem achteckigen Kreuz. In der Mitte befindet sich eine Kuppel, von der die Lampe des Ewigen Lichts herabhängt. Das „Ewige Licht“ bezeugt die ununterbrochene Gegenwart Christi im Altarssakrament. Links ist ein Weihrauchfass abgebildet, das die Gebete und die Fürsorge der Ritter für die Kranken symbolisiert. Der im Bett liegende Kranke stellt Christus dar, mit einem Heiligenschein und der Dornenkrone, die seine Göttlichkeit und sein Leiden versinnbildlichen.