5. Die weitere Entwicklung
des Ordens des Hl. Johannes
in Jerusalem
a. Großmeister Frà Auger de Balben
(1160 – 1162)
Nach dem Tod von Raimund du Puy wurde Frà Auger de Balben (in den Quellen auch als Otogerius, Augerius Balbensis oder Rogerus Balben geführt) durch Akklamation vom gesamten Generalkapitel des Ordens zum Nachfolger gewählt.
Er stammte mutmaßlich aus der Zunge der Provence und war, wie sein direkter Nachfolger, ein erfahrener französischer Ritter aus der Dauphiné.
![]() Papst Alexander III. empfängt einen Gesandten201 |
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Frà Auger de Balben wirkte während seiner kurzen Amtszeit äußerst erfolgreich als Friedensstifter in Kirche und Staat. Seine historischen Verdienste liegen vor allem in zwei diplomatischen Leistungen:
1. Kirchliche Einheit: Er vereinte den Klerus in Palästina in der Unterstützung von Papst Alexander III.202 gegen den Gegenpapst Viktor IV. (Oktavian) und sicherte so die Loyalität der Kreuzfahrerstaaten gegenüber dem rechtmäßigen Pontifex.
2. Staatsdiplomatie: Nach dem kinderlosen Tod von König Balduin III. verhinderte er durch seine Intervention einen drohenden Bürgerkrieg. Er stabilisierte die Thronfolge für Balduins Bruder, Amalrich I., gegen den Widerstand anderer Thronanwärter.
In die Regierungszeit von Frà Auger de Balben und seiner beiden unmittelbaren Nachfolger (der Zeitraum zwischen 1160 und 1170) fällt zudem die bedeutende Expansion des Ordens in Spanien.
Frà Auger de Balben verstarb im Jahr 1162 in Jerusalem und wurde dort beigesetzt. Sein Nachfolger im Amt des Großmeisters wurde Arnaud de Comps.
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b. Großmeister Frà Arnaud de Comps
(1162 – 1163)
Nach dem Tod von Auger de Balben im Jahr 1162 wurde Frà Arnaud de Comps (in den Quellen auch als Arnaldo, Arnoldus Compensis oder Arnoldus Compeniensis geführt) zum vierten Großmeister des Ordens vom Hospital des Hl. Johannes zu Jerusalem gewählt.
Herkunft und Wahl
Arnaud stammte aus der angesehenen Adelsfamilie von Comps-sur-Artuby, die in der Provence und der Dauphiné über erheblichen Einfluss verfügte. Wie sein Vorgänger war auch Arnaud bereits in fortgeschrittenem Alter, als er das höchste Amt des Ordens übernahm. Seine Wahl unterstreicht die damalige Tendenz des Ordenskapitels, erfahrene und bewährte Ritter aus dem französischen Kernland an die Spitze zu berufen.
Amtszeit und Wirken
Aufgrund seiner kurzen Regierungszeit blieb Arnaud de Comps kaum Raum für tiefgreifende strukturelle Reformen innerhalb des Ordens. Dennoch setzte er strategische Akzente in der Verteidigungspolitik:
Sicherung der Grenzen: Unter seiner Führung wurde die Präsenz der Johanniter in den gefährdeten Grenzgebieten des Königreichs Jerusalem verstärkt.
Verteidigung gegen die Sarazenen: Er legte besonderen Wert auf den Schutz der Außenposten, die regelmäßig zum Ziel von Überfällen der Sarazenen wurden.
Tod und Nachfolge
Die Quellenlage zu seinem Todesdatum variiert leicht; er verstarb jedoch bereits kurz nach seinem Amtsantritt208, spätestens im Januar 1163 (einige Quellen nennen den Januar 1164)209. Trotz der Kürze seiner Amtszeit wird er in der offiziellen Zählung als vierter Großmeister geführt. Sein Nachfolger wurde Gilbert d’Assailly.
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c. Großmeister Frà Gilbert d'Assaily
(1163 – 1170)
Herkunft und Aufstieg
Frà Gilbert d’Assailly (auch d’Assalit, d’Assilan oder lateinisch Gilbertus Assaliensis) wurde 1163 zum fünften Großmeister des Ordens gewählt. Er entstammte einer angesehenen Adelsfamilie aus dem Languedoc. Bereits seit 1146 diente er als einer der Vögte des Ordens in Syrien und verfügte über umfassende Erfahrung in der Levante. Manche Quellen bezeichnen ihn fälschlich als gebürtigen Tyrier (aus Tyros), was jedoch vermutlich auf seine jahrzehntelange Dienstzeit im Osten zurückzuführen ist.
Die Militarisierung des Ordens
Gilbert gilt als der erste der großen „Militärmeister“. Unter seiner Ägide schritt die Umwandlung des Hospitals in einen Ritterorden so rasch voran, dass der Orden des Hl. Johannes den Templern innerhalb weniger Jahre militärisch ebenbürtig war. Zur Sicherung der Grenzen des Königreichs Jerusalem erwarb der Orden unter seiner Führung strategisch bedeutende Festungen, darunter

die Burg Belvoir215 (Kawkab al-Hawa) im Jahr 1168 sowie den Stützpunkt Bet Sche’an.
Der Ägyptenfeldzug und das finanzielle Debakel
Als enger Verbündeter von König Amalrich I. von Jerusalem unterstützte Gilbert dessen Ambitionen zur Eroberung Ägyptens. 1168 führte er die Ordenstruppen bei der Eroberung der Stadt Pelusium an. Der Feldzug endete jedoch 1169 in einem katastrophalen Misserfolg. Neben dem Prestigeverlust hinterließ das Unternehmen den Orden in einer prekären finanziellen Lage: Gilbert hatte zur Finanzierung horrende Summen geliehen (Quellen nennen bis zu 200.000 Dukaten216), was den Orden an den Rand des Ruins trieb. Dieser Druck zwang ihn schließlich im Jahr 1170 (einige Quellen nennen 1169) zum Rücktritt.
Kontrastierende Perspektiven: Giacomo Bosio
Während viele Historiker Gilberts Amtszeit aufgrund der Verschuldung kritisch bewerten, zeichnet der Ordenschronist Giacomo Bosio217 ein deutlich positiveres Bild. Bosio betont Gilberts geistliche Strenge und interpretiert den Erwerb von Festungen wie Belvoir als weitsichtige Strategie, die das Überleben der Kreuzfahrerstaaten gegen Nur ad-Din erst ermöglichte. Für Bosio war Gilberts Rücktritt kein bloßes Scheitern, sondern ein Akt der Demut, um den inneren Frieden des Ordens zu wahren.
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Tragisches Ende
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt zog sich Gilbert zunächst als Einsiedler nach Frankreich zurück. Im Jahr 1183 folgte er einer Einladung des englischen Königs
Heinrich II. Während der Überfahrt nach England ereilte ihn ein tragisches Schicksal: Sein Schiff sank im Ärmelkanal vor Dieppe, wobei Gilbert d'Assailly mit der gesamten Besatzung ertrank219.

Zusammenfassung
Die Ära Gilbert d’Assailly markiert den endgültigen Übergang des Hospitals von einer rein karitativen Bruderschaft zu einem
Ritterorden von europäischem Rang.
Ob als verschwenderischer Visionär oder als strategischer Begründer der militärischen Macht des Ordens des Hl. Johannes bleibt eine der prägendsten Figuren der Frühgeschichte.
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d. Großmeister Frà Gaston de Murols
(1170 – 1172)
![]() Siegel des Großmeisters Murols225 |
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Nach der erzwungenen Amtsniederlegung Gilbert d’Assaillys wurde im Jahr 1170
Frà Gaston de Murols (in den Quellen auch als Castus, Casto oder Gastus geführt) zum sechsten Großmeister gewählt. Gaston stammte aus einem Adelsgeschlecht der Auvergne und bekleidete zuvor das Amt des Schatzmeisters des Ordens.
| Und hier, an der Südseite der Kirche (des Heiligen Grabes), steht die Kirche und das Hospital des Hl. Johannes des Täufers. Niemand kann einem anderen glaubhaft erzählen, wie schön ihre Gebäude sind, wie reichlich sie mit Zimmern, Betten und anderem Material für Arme und Kranke ausgestattet ist, wie reich sie an Mitteln ist, die Armen zu erfrischen, und wie hingebungsvoll sie sich um den Unterhalt der Bedürftigen bemüht, es sei denn, er hat die Gelegenheit, es mit eigenen Augen zu sehen. Tatsächlich gingen wir durch diesen Palast und konnten auf keinen Fall feststellen, wie viele Kranke dort lagen; aber wir sahen, dass die Betten über tausend zählten. Nicht jeder der mächtigsten Könige und Despoten könnte so viele Menschen versorgen, wie dieses Haus täglich versorgt.226 | 227![]() |
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Seine Wahl erfolgte in einer turbulenten Phase und wurde zunächst nur von einem Teil der Ordensritter anerkannt. Eine Fraktion von Dissidenten schloss sich stattdessen der Autorität eines gewissen Rostang an. Diese Spaltung blieb jedoch folgenlos, da Gaston bereits 1172 verstarb228. Aufgrund seiner kurzen Regierungszeit konnte er keine nennenswerten Reformen innerhalb des Ordens des Hl. Johannes umsetzen.
Ein bedeutendes Zeugnis aus seiner Amtszeit stammt von dem Pilger Theoderich von Würzburg229, der das Hospital in Jerusalem 1172 besuchte230. In seinem Reisebericht beschreibt er die Einrichtung als einen prachtvollen Palast mit über tausend Betten, dessen Hingabe bei der Versorgung von Kranken und Armen selbst die Möglichkeiten mächtiger Könige übertraf.
Der Pilger „Theoderich“ aus Würzburg231 berichtet 1172 in seinem „Führer durch das Heilige Land“ im Teil I, Kapitel XIII, über das Hospital des Hl. Johannes des Täufers in Jerusalem:
e. Großmeister Frà Jobert von Syrien
(1172 – 1177)232
Nach dem Tod Gastons wurde Frà Jobert (auch Joubert oder Josberto) zum siebten Großmeister gewählt. Sein Beiname „von Syrien“ verweist darauf, dass er bereits in der Levante geboren wurde, was ihm eine besondere Vertrautheit mit der politischen Lage vor Ort verlieh.
Er gilt als einer der weitsichtigsten Reformatoren in der Frühzeit des Orden des Hl. Johannes. Sein Wirken markiert den Übergang von einer improvisierten Bruderschaft zu einer straff organisierten, finanziell stabilen und geistlich gefestigten Institution.
Der Architekt der inneren Ordnung
Jobert übernahm die Leitung des Ordens in einer Phase tiefer Krisen. Sein Vorgänger, Gilbert d'Aissailly, hatte den Orden durch kostspielige Militärexpeditionen fast in den Ruin getrieben. Jobert erwies sich als umsichtiger Verwalter, der die Finanzen konsolidierte, ohne den Kernauftrag des Ordens zu vernachlässigen. Er gilt als derjenige, der das Prinzip der Sparsamkeit einführte, um die caritativen Aufgaben dauerhaft zu sichern.
Karitative Reformen und Statuten
Besondere historische Bedeutung erlangte Jobert durch die Weiterentwicklung der ordenseigenen Statuten, die den Dienst am Nächsten betonten:
Das Privileg des Weißbrots: Im Generalkapitel von 1176 wurde festgelegt, dass Kranke im Hospital Anrecht auf hochwertiges Weißbrot hatten. Zur Sicherung der Produktion wurden dem Orden spezifische Ländereien (Casales) zugewiesen.
Religiöses Leben: Das Generalkapitel von 1177 erließ die „Gebräuche der Kirche des Hospitals“, welche das gottesdienstliche Verhalten der Brüder und das Gedenken an Verstorbene präzisierten.
Staatsmann und Vertrauter der Könige
Jobert genoss im Königreich Jerusalem höchstes Ansehen. Seine Integrität war so groß, dass König Amalrich I. ihn 1171 – noch vor seiner Wahl zum Großmeister – zum Vormund seines Sohnes, des künftigen Königs Balduin IV., ernannte und ihm während seiner Abwesenheit die Regierungsgeschäfte anvertraute.
Strategische Diplomatie im Heiligen Land
Militärisch agierte Jobert vorsichtig und strategisch. Er weigerte sich, den Orden in riskante Expeditionen wie den Angriff auf Ägypten (1174) hineinzuziehen, wenn die Erfolgschancen gering waren. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Verteidigung des Reiches und die Befreiung von Gefangenen, wie etwa die Freilassung von Raymond III. von Tripolis, für die er sich massiv einsetzte.
Militärische Expansion
Unter Joberts Führung erwarb der Orden die strategisch bedeutsame Burg Margat (Qalʿat al-Marqab). Der Orden des Hl. Johannes baute sie zu einer derart massiven Festung aus, dass Saladin von einem direkten Angriff absah.

Briefmarken des Malteserordens vom 26. Februar237: Die Festung Margat, nach einem alten Kupferstich. Sie war eine Hochburg des Ordens des Hl. Johannes im Heiligen Land und wurde nach dem Fall Jerusalems (1190) dessen Sitz. Blatt: Gleiches Motiv wie die Serie, mit Ritterfigur links und dem Seligen Raimund rechts an den Seiten.
Die Festung Margat heute238
Jobert von Syrien war kein Eroberer im klassischen Sinne, sondern der Baumeister der Ordenssubstanz. Er bewahrte die Johanniter vor dem Bankrott und gab ihnen das rechtliche und moralische Fundament, auf dem sie Jahrhunderte überdauern konnten.
Jobert von Syrien verstarb im Oktober 1177.
„Der Orden des Hl. Johannes nahm Abschied von einem Mann, der das Erbe des Ordens nicht nur verwaltet, sondern in seinem tiefsten Wesen gefestigt hat. Jobert von Syrien war die ordnende Hand in einer Zeit des Umbruchs.
Sein Lebenswerk war die Einheit von Geist und Tat: Mit Klugheit und Disziplin sanierte er die Finanzen des Ordens, doch sein Herz schlug stets für die Schwächsten. Unvergessen bleibt seine Sorge, dass das Brot der Armen niemals schwinden darf – ein Versprechen, das er in Stein und Recht goss. Als Hüter der Liturgie gab er dem Orden die geistige Heimat, als Staatsmann das Vertrauen der Könige. Er hinterließ einen Orden, der fest im Glauben und unerschütterlich im Dienst am Nächsten steht. Sein Vermächtnis ist unser Auftrag.239“
Sein Nachfolger wurde Roger de Moulins.
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f. Großmeister
Frà Roger de Moulins
(1177 – 1187)
Nach dem Tod Joberts wurde mit Frà Roger de Moulins (auch Desmoulins oder Rugerio Moulins) erneut ein erfahrener normannischer Ritter zum achten Großmeister gewählt. Seine Amtszeit markiert die endgültige Transformation des Hospitals in einen militärischen Ritterorden, aber auch den schmerzlichen Verlust Jerusalems.
Zwischen militärischer Pflicht und hospitalitärer Tradition
Unter Rogers Führung nahm die Militarisierung des Ordens derart zu, dass
Papst Alexander III.245
zwischen 1178 und 1180 die Bulle
„Piam admodum“ erließ.
Darin ermahnte er den Großmeister ...
| … die heiligen Sitten und Gebräuche seines verstorbenen Vorgängers mit aller Kraft zu bewahren... Die Brüder sollen ihre Waffen nur dann anfassen, wenn ein allgemeiner Aufruf zur Landesverteidigung oder zur Belagerung einer Burg der Ungläubigen unter dem Zeichen des Kreuzes erfolgt. Die Fürsorge für die Armen darf dadurch in keiner Weise gemindert werden.246 |
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Kaiser Friedrich Barbarossa unterwirft sich 1177 in Venedig
Papst Alexander III.247
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1155–248 Bild249 Kaiser Friedrich I. Barbarossa spielte eine entscheidende Rolle für die rechtliche und finanzielle Konsolidierung des Ordens des Hl. Johannes im Heiligen Römischen Reich. Seine Verbindung zum Orden lässt sich in folgende Punkte unterteilen:
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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Barbarossa den Orden von einer rein karitativen Bruderschaft im Heiligen Land zu einer privilegierten und geschützten Institution innerhalb des europäischen Machtgefüges erhob. 1188 beschloss er, den Dritten Kreuzzug anzuführen, ertrank jedoch im Fluss Saleph (heute Göksu) in der Nähe von Silifke in der heutigen Türkei, bevor er Palästina erreichte.251
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Die Statuten von 1182: Ein rechtlicher Wendepunkt
Am 14. März 1182 erließ das Generalkapitel unter Roger de Moulins neue Statuten, die den Orden formaljuristisch als religiös-militärischen Orden festigten:
Medizinische Neuerung: Erstmals wurden fest angestellte Ärzte und Chirurgen in das Personal des Ordens aufgenommen.
Militärische Verankerung: Die „Waffenbrüder“ wurden erstmals explizit in einem normativen Text erwähnt.
Karitative Kodifizierung: Die Statuten verpflichteten den Orden zur täglichen Versorgung von dreißig Armen, wöchentlichen Almosen und der Aufnahme schwangerer Frauen sowie verwaister Kinder.
Liturgie: Es wurde festgelegt, dass die Bahren verstorbener Brüder mit einem roten Tuch mit weißem Kreuz bedeckt werden – ein Symbol, das bis heute Bestand hat.
Diplomatie und Expansion
1184 bereiste Roger zusammen mit dem Patriarchen Heraclius und dem Templer-Großmeister Arnold von Toroga Europa, um Unterstützung für das bedrängte Königreich Jerusalem zu suchen. Dabei festigte er die Präsenz der Johanniter in England, Frankreich und Deutschland. Die päpstliche Bulle Quanto per gratiam Dei (22. August 1185) unterstrich den Status des Ordens als universelle karitative Institution.
Der Untergang
und die Schlacht von Hattin
Die politische Lage spitzte sich unter der Herrschaft von Guido von Lusignan zu. Roger de Moulins fiel bereits am 1. Mai 1187 in der Schlacht von Cresson253 , als er einer muslimischen Übermacht unter Saladins Sohn al-Afdal entgegentrat.
Wenig später, am 4. Juli 1187, wurde das christliche Heer in der Schlacht von Hattin vernichtet. Unter den Gefangenen befanden sich 230 Hospital- und Templerritter. Da sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören, erlitten sie an den Hängen der Hörner von Hattin das Martyrium.
Das Gemälde254 zeigt den König des Königreichs Jerusalem, Guido von Lusignan (Regierungszeit 1186–1192), bei seiner Kapitulation vor Saladin nach seiner Niederlage in der Schlacht von Hattin am 4. Juli 1187.
Der Sieg Saladins in der Schlacht von Hattin war von entscheidender Bedeutung, da er drei Monate später zur muslimischen Rückeroberung Jerusalems führte.
Das Ende
der Ära Jerusalem
Nach dem Fall der Heiligen Stadt am 2. Oktober 1187 musste der Orden Jerusalem verlassen.
Der Zeitraum unserer Betrachtung endet mit Saladins Einzug in Jerusalem
am 2. Oktober 1187.
1187: Auszug der Christen und des Ordens des Hl. Johannes aus Jerusalem (Fresko im Großmeisterpalast in Valletta)255
Saladin, der die karitative Arbeit des Ordens des Hl. Johannes respektierte, gestattete ihnen jedoch, den Krankenhausbetrieb noch ein Jahr lang fortzuführen. Das Gelände des Hospitals ist seither als Muristan (kurdisch/persisch für „Hospital“) bekannt. Der Orden verlegte seinen Sitz zunächst nach Margat. Damit endete das erste ruhmreiche Kapitel des Ordens des Hl. Johannes in der Stadt ihrer Gründung.
Die Ruinen von Santa Maria Latina in Jerusalem
waren für lange Zeit stumme Zeugen dieser Ära.
Das Hospital wurde später zerstört. Nur wenige Ruinen von Santa Maria
Latina waren noch traurige Zeugen einer großen Vergangenheit.
Die offizielle Homepage des Malteserordens berichtete am 13. August258:
Überreste des ersten Hospitals des Hl. Johannes des Täufers
in Jerusalem entdeckt
„Bei Ausgrabungen in der Altstadt von Jerusalem wurden kürzlich die Überreste dessen ans Tageslicht befördert, was heute allgemein als das erste Hospital des Ordens des Hl. Johannes gilt und dessen Ursprünge bis auf 900 Jahre zurückdatiert werden können.
„Das ist der Ort, an dem die Mitglieder des Hospitalordens des Hl. Johannes lebten; alles hat hier begonnen. Das ist die Stelle, an der die Idee des Ambulanzdienstes entstanden ist, um Kranke und Verwundete in einem Hospital zu versorgen. Die Kranken wurden mit Kamelen und Pferden ins Hospital gebracht“, hat Amit Re´em erklärt, einer der Leiter der von der Israel Antiquities Authority durchgeführten Grabungen. Es handelt sich um das größte Hospital der damaligen Zeit im Mittleren Osten.
Die durchgeführten Untersuchungen haben zahlreiche Erkenntnisse über Details des Gebäudes erbracht, das zwischen 1099 und 1291 errichtet worden ist. Es liegt im Herzen des christlichen Viertels der Altstadt von Jerusalem, in der Nähe der David Street, der Hauptstraße. Das Gebäude erstreckte sich über eine weite Grundfläche mit einer Raumhöhe von über sechs Metern und enthielt eine große Säulenhalle, verschiedene Räume und kleinere Säle. 
Alte Urkunden aus der Zeit, meistens in lateinischer Sprache, berichten von einem hochentwickelten Hospital mit beinahe modernen Krankenhausstrukturen. Die israelitische Behörde hat bei der Präsentation der Grabungsergebnisse erklärt: „Das Hospital ist vom Hospitalorden des Hl. Johannes zu Jerusalem, bekannt unter dem Namen Hospitaliers, gegründet und errichtet worden. Die Mitglieder des Ordens verpflichteten sich unter Eid, die Pilger zu pflegen und zu schützen und sich, sofern erforderlich, den kämpfenden Truppen als besondere Schutztruppe anzuschließen“.
Anfang einer Tradition: Pflege für alle
Die Grabungsergebnisse und die Funde liefern zahlreiche, zum Teil bereits bekannte Details: das Hospital war dem Hl Johannes geweiht und in ihm wurden alle Bedürftigen jedweden Glaubens gepflegt, die nach Jerusalem kamen und dort lebten. Das Hospital hatte verschiedene Stationen und Abteilungen je nach der Art der Krankheit und dem Zustand des Patienten, ganz ähnlich wie in einem modernen Krankenhaus. Im Notfall konnte das Krankenhaus bis zu 2000 Patienten aufnehmen. Die Hospitaliers behandelten die Kranken mit Respekt und Zuwendung, unabhängig von Religionszugehörigkeit und Herkunft. Die arabischen Muslime haben wesentlich zur Bedeutung des Hospitals der Ritter des Hl. Johannes beigetragen, indem sie u. a. eigene medizinische Erkenntnisse vermittelt haben. In der arabischen Kultur hatte die Medizin seit jeher einen hohen Stellenwert und arabische Ärzte standen in der damaligen Welt in höchstem Ansehen.
Die jüngste Grabungskampagne hat außerdem auch die Erkenntnis erbracht, dass das Hospital, neben der Versorgung der Kranken, auch Waisen und ausgesetzte Neugeborene aufgenommen hat.
Zerstörung durch Erdbeben im 15. Jhdt.
Im Mittelalter wurden einige Teile des Gebäudes als Stallungen genutzt. Davon zeugen die bei den Grabungen ans Licht gebrachten Knochen von Pferden und Kamelen sowie große Mengen von Metallteilen, die zum Beschlagen der Tiere dienten. 1457 ist das Gebäude nach einem Erdbeben eingestürzt.
Anlass für die Grabungen war der Baugenehmigungsantrag der Gran Bazar Company von Ost-Jerusalem für die Errichtung eines Restaurants. Der Grabungsleiter, Monser Shwieki erklärte, dass die Bauleitung das Gebäude in das Restaurant integrieren wolle, das 2014 eröffnet werden soll.
[Foto Crédit: Yoli Shwartz, mit freundlicher Genehmigung der Israelischen Altertumsbehörde.]“
Ein interessantes Video darüber ist online bei:
https://cmc-terrasanta.com/en/media/news/4830/the-crusader-hospital

Inspiriert von diesen Bildern des ausgegrabenen Teils des Krankenhauses schuf Christopher Santner dieses Bild, das den Seligen Gerhard im Hospital zu Jerusalem zeigt259.
Briefmarke von Monaco zum 900-jährigen Jubiläum des Malteserordens
im Jahr 1999.
Links steht der Selige Gerhard
Der Selige Gerhard
im Hospital.
Gemälde in der Botschaft des Malteserordens
in Valletta / Malta260.

































Exkurs
Faktische Reichsstandschaft (1185): 


